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Eigentlich ist die Kanzelschwalbe ja äußerst nachtaktiv.
Doch ein positiver Nebeneffekt des Jetlags ist, dass ich viel mehr vom Tag habe.
Ich würde gerne auch sonst früher aufstehen, die Ruhe des Morgens (kein Telefon!) nutzen um den Tag gelassen und ohne Stress angehen zu können.

Mal schauen, wie lange es mir noch gelingt, so früh (heute war´s 5.30 Uhr) aus dem Nest zu krabbeln.

Der Tag ist einfach länger :)

Dass ich als Pfarrerin, die (noch) einigermaßen jung ist und auch sonst nicht unbedingt ins Klischee passt (oder passen will) mal den einen oder anderen Kommentar über mein Aussehen, Figur, Kleidung etc abbekomme, damit habe ich mich mittlerweile abgefunden.
Nach beinahe fünf Jahren war ich bis heute auch der Meinung, dass ich so ziemlich alles an Kommentaren bezüglich meines Äußeren gehört habe, die es zu hören gibt.

Ich finde es nach wie vor unverschämt, wenn Leute meinen, sich über die Figur (auch wenn sie schlank ist) oder das Aussehen der Pfarrerin (oft noch in meiner Gegenwart) auslassen zu müssen.
Klar ist das positiv gemeint. Aber ich will schließlich gute Arbeit als Pfarrerin leisten und nicht über mein Äußeres bewertet werden.
Jaja, ich weiß, das Aussehen spielt bei Frauen leider immer eine größere Rolle als bei Männern.
Und Frauen in öffentlichen Funktionen und Ämtern scheinen es da besonders schwer zu haben.

Natürlich lege ich Wert auf gutes, gepflegtes Aussehen, weil es für mich eine Frage der Professionalität ist, dem Anlass angemessen gekleidet, frisiert und ggf. auch geschminkt zu sein.
In die Schule gehe ich anders als wenn ich bei einem offiziellen Anlass ein Grußwort im Namen der Kirchengemeinde sprechen muss.
Zu ersterem gerne die geliebte Jeans und (gebügeltes) T-Shirt. Zu letzterem aber auf jeden Fall Kostüm oder Hosenanzug.

Den allerschärfsten Kommentar habe ich heute Abend gehört.
Ich war bei der Verabschiedung meines Kollegen W. Im Namen des Kollegenkreises, von dem auch einige anwesend waren, incl. rk Kollege, sprach ich ein Grußwort und überreichte ein kleines Abschiedsgeschenk.

Beim anschließenden Stehempfang kam ein Mann, ca 60, auf meinen Kollegen D. und mich zu.
Er sagte, das Grußwort sei schön gewesen und ich sähe heute so „adrett“ aus.
Kollege D., der mit Komplimenten mir gegenüber sehr großzügig ist (der darf das, weil er auch meine Arbeit als Pfarrerin sieht und wertschätzt), meinte dann nur, ja, auf die Kollegin Kanzelschwalbe ließe er nichts kommen.
Daraufhin wieder dieser Mann: „also als ich Sie das letzte Mal gesehen habe, da hatten Sie die Haare so offen und hätten dringend mal wieder zum Frieseur gemusst.“
*sprachlosbin*
Hallo? Geht´s noch?

Kollege D. rettete dann irgendwie die Situation, aber ich war völlig schockiert angesichts dieser Dreistigkeit des Mannes. Meinen männlichen Kollegen passiert so etwas in dieser Direktheit und Unverblümtheit sicher nicht.

Als der freundliche Komplimentemacher sich dann verabschiedete, konnte ich mir nicht verkneifen, ihm zu sagen, dass ich ihm das nächste Mal Bescheid gäbe, falls ich wieder zum Friseur gehe. Ich dachte, damit würde ich ihm deutlich machen, dass er gewisse Grenzen überschritten hat.
Und was sagt der: Naja, damals hatten Sie´s ja auch wirklich nötig.
*völligentsetztbin*

Ich weiß es nicht, warum manche Menschen denken, sie könnten mich so direkt und unverblümt auf mein Aussehen ansprechen.
Ganz ehrlich- machen das die Leute auch bei den LehrerInnen ihrer Kinder, ihrem Arzt oder der Rechtsanwältin?
Wenn nicht- woher nehmen sie dann das Recht, dies bei der Pfarrerin zu tun?

I came across this article in NZ-Newspaper „The Press“

Till bust up do us part
By REBECCA TODD – The Press

Kiwi couples are ditching promises of „till death do us part“ and choosing what they consider realistic vows for their big days, celebrants say.

Many New Zealanders are moving away from traditional marriage vows, with phrases like „till death do us part“ and „honour and obey“ increasingly deleted from their wedding days.

A Christchurch marriage celebrant of 25 years, Anne Stubbersfield, said people were more realistic now about their chances of staying together.

Most still believed their marriage would be forever, but some vowed to be together just as long as their „love endures“.

Kiwis still hoped for a lifetime together, unlike an Australian couple who reportedly vowed a „three to five-year agreement plus options“ or another pair who pledged if their „love should falter or fail, I will respect you for the period that you were in my life“.

„[New Zealand couples] are going into it with values, maybe not the old religious values, but a far more realistic idea,“ Stubbersfield said.

Many couples spoke of choosing each other as their „life partner“ and of marrying their „best friend“.

Marriage celebrant Julie Lassen said fewer people were choosing to utter the words „till death do us part“ on their wedding days.

„They still see it as a lifetime commitment. I think it’s in terms of positive words, they don’t want to get that terminology in.“

She said more couples were adding something humorous into their vows like promising to put out the rubbish, tidy the lounge or not eat chocolate.

People also often left out any mention of religion, she said.

Anglican Reverend Paul Stanaway said couples he married still used the traditional vows including „till death do us part“, but were uneasy about the word „obey“.

„I think it’s a very positive statement, not talking about death, but that the only thing that should part us is death,“ he said.

It´s no surprise that many people have their difficulties with old- or let´s rather say- traditional wedding vows.
I realize that many people do not understand anymore what the idea behind is.

„Till death do part us“ means that the couple is willing to go through rough water at some stages in their lives together. It doesn´t mean to split off if there is a conflict. It doesn´t mean to split off if someone younger or more attractive comes across.
It does mean to make commitment to each other. To show at least the willingness to work hard on a relationship (I know there are always cases and reasons for a divorce rather than staying together).
But you should be at least willing to work hard on it. A life-time.

Mal wieder Pfarrerinnendasein live:

Eben (mein heiliger Montag!) rief Frau K. an:
„Ich weiß, Sie haben heute frei [schön, warum rufen Sie dann an???]. Aber ich muss unbedingt wissen, wann nächstes Jahr die Konfirmation ist. Wir haben schon seit zwei Jahren reserviert, jetzt braucht die Wirtschaft eine Bestätigung des Termins.“

Aha.

Ich habe die Dame bewusst noch nie in der Kirche gesehen.

It was one of these busy days of which I had too many the last couple of weeks.

I left home at 9 this morning and came back at 6 tonight.
Rushed from meeting to meeting, with one hour of supervision in between.

I knew it was going to be a hard day today.
And I knew there was hadly any time to take a breath in between.

But suddenly while driving from meeting to meeting I realized I was 20 minutes early.
So I parked my car somewhere in the woods and went for a 15min walk.
Mind you- walking in the woods even with not so high heels isn´t very comfy. I should keep a pair of old trainers or sturdy shoes in my car.
But it was so good. To have a couple of minutes on my own. Just for me.
No one knew where I was (yes I did take my mobile with me), nobody knew how to catch me. Nobody even had the slightest chance to get anything from me.
I just walked in the woods, took deep breaths, had the sun shine on my face, smelled spring air and listened to birds singing their songs of joy. Meetings and rushing, planning and organizing felt so far away.

Only 15 minutes but I enjoyed every second of it and it really felt like vacation.

Vor kurzem war ich bei einem Kollegen im Gottesdienst.
Es hat gut getan, nicht selbst den Gottesdienst „halten“ (im wörtlichen Sinn“) zu müssen, sondern einfach da sein zu dürfen, wie ich war. Und das war müde, abgespannt, mit dem Wunsch nach Zuspruch.

Soweit so gut.

Ich schätze ihn als Prediger und auch die Musik bei ihm im Gottesdienst ist immer sehr gut.
Bei der Abendmahlsliturgie sind mir allerdings so „Kleinigkeiten“ aufgefallen, die mich gestört haben.

Die Einsetzungworte hat er abgelesen, dabei die Nase immer ordentlich im Manuskript gehabt.
Auch waren die Elemente noch abgedeckt auf dem Altar und wurden, aus oben genanntem Grund, nicht gezeigt.
Ich möchte die Elemente sehen- Brot und Wein- wissen, was sie sind. Wer das ist.

Ich möchte keine lieblose Liturgie- auch wenn ich wusste, dass es meinem Kollegen aufgrund eines Zahnarztbesuches und nicht vertragener Betäubung an jenem Tag nicht gut ging.

Für mich ist das Abendmahl so wichtig- die Zuwendung der Liebe Gottes. Da möchte ich keine runtergelesenen Einsetzungsworte. Da möchte ich auch keine lahmen Lieder. Da ist mir eine feierliche, liturgische Präsenz wichtig. Die Liebe zum Detail. Die richtige und stimmige Inszenierung des Gottesdienstes.

Damit Kirche fröhlich wird. Denn wir haben allen Grund zum fröhlich sein.

sagt die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland.

Mit Ilse Junkermann (bisher Personaldezernentin in der Evangelischen Landeskirche Württemberg) wird es in Deutschland neben Maria Jepsen und Margot Käßmann (beide Evangelisch Lutherisch) und Rosemarie Wenner von der Methodistischen Kirche eine weitere Frau im Bischofsamt geben.

Pilgrimage

 

Lord I´d like to be a pilgrim. By that I mean

I want to be serious about the spiritual life

regular worship, daily prayers, some effort to become

a nicer person to my family and neighbours,

the kind of thing You´ve talked about

for more than two thousand years.

But Lord, I am not sure I can do  it. I´ve read

about pilgrimage and it seems to me

that You ask a lot of followers, a hard road

and steep mountains that have to be climbed.

That´s okay for holy disciples, but me,

Lord, I´m just average tag-along.

I´ve never been one for steep mountains.

I know that I would never make it.

I´m wondering,  is there a compromise

some kind of easy slope for beginners?

What´s that, Lord?  Oh.  I see.

The problem is not the mountain.

It´s the pebble in my shoes.

 

 

Source, p. 101

Normalerweise sind für mich die Vorbereitungen der Predigten für den jeweiligen Sonntag Zeiten, in denen mich der Predigttext durch den Alltag begleitet. Mit dem Sonntag ist er jedoch meist „erledigt“.
Anders der Predigttext und das Gottesdienstthema des vergangenen Sonntages.
Ich wage es daher noch einmal, eine Predigt, eben jene vom verganenen Sonntag hier einzustellen.

Um sie ganz zu verstehen, muss man wissen, dass ich die Gemeinde nach dem Votum breit grinsend mit „Wir machen den Weg frei“ begrüßt habe (was auch einige Lacher hervorgerufen hat) und dass das das mehr oder weniger das Thema des Gottesdienstes war.

Wartezeiten, liebe Gemeinde, sind immer Zeiten der Ungeduld. Und Zeiten der Sehnsucht. Die alles bestimmende Frage lautet: Wann ist es endlich soweit? Wann kommt er oder sie? Wann ist der große Tag da?
Schon das kleinste Anzeichen des großen Ereignisses, auf das wir warten, hilft uns die quälende Zeit bis dahin zu überbrücken.
Kindern- kleineren und auch größeren- hilft in der Adventszeit der Adventskalender die Tage bis Weihnachten zu zählen und die Wartezeit zu überbrücken.
Aber auch in anderen Wartesituationen helfen uns schon kleine Vorboten oder Vorbotinnen des großen Ereignisses.
Bei der Deutschlandtour letzten Jahres, die ja auch durch Bad Liebenzell führte, kündigte der Werbetross das Kommen der Sportler an.
Am Bahnhof warten wir ungeduldig, ob der Zug, in dem die erwartete Person kommen soll, schon in Sicht ist.

In vergangenen Zeiten gab es in Europa an den Fürstenhöfen auch die Einrichtung eines Herolds. Er ging den Fürsten und Fürstinnen voraus und kündigte dem Volk das Kommen des Monarchen an. Meist selbst begleitet von einem Tross an Musikanten, Soldaten und sonstigen Gefolgsleuten.

Und wenn wir in der Geschichte noch weiter zurück gehen, entdecken wir, dass es auch in unserer jüdisch-christlichen Tradition die Funktion eines Herolds gibt.
Seit tausenden von Jahren wird nämlich in der jüdischen und christlichen Tradition geglaubt, dass der Messias auch einen Wegbereiter hat.
Oftmals wird dem Propheten Elia, der ja der Überlieferung nach nicht verstorben, sondern auf wunderbare Weise in den Himmel entrückt wurde, diese Rolle zugedacht. Noch heute kann man auf zahlreichen jüdischen Malereien den Propheten Elia als Wegbereiter des Messias bewundern.
Und in unserer christlichen Tradition kommt diese Rolle der Figur des Täufers Johannes zu. Denken Sie nur an das bekannte Bild des Isenheimer Altars, auf dem Johannes mit dem überdimensional langen Finger auf Christus verweist.
Und auch im Islam spielt Johannes der Täufer eine zentrale Rolle.
Ihm als Wegbereiter ist traditionell der dritte Adventssonntag gewidmet.
Im Vergleich zu anderen neutestamentlichen Gestalten erfahren wir sehr viel über ihn.
Er wird in allen vier Evangelien wie auch beim jüdisch-römischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus erwähnt.

Er stammte aus einer jüdischen Priesterfamilie und war ein Zeitgenosse Jesu, ein halbes Jahr älter als Jesus. Auch über seine Geburt berichtet der Evangelist Lukas ausführlich.
Er trat als Weisheitslehrer auf, predigte im Stil der alten Propheten und taufte. Johannes rief zur Umkehr auf und kündigte das unmittelbare Kommen Gottes oder des Messias zum endzeitlichen Gericht an. Schon bald hatte er einen Kreis von Anhängerinnen und Anhängern um sich gesammelt. Doch die Evangelien berichten immer wieder, dass er stets auf das Kommen des Messias verwies.
Trotz allem muss sein Auftreten und seine Wirkung auf die Menschen dem damals herrschenden König Herodes Antipas gefährlich vorgekommen sein. Denn Herodes Antipas lies Johannes verhaften und ins Gefängnis werfen.
Später wurde er dann hingerichtet.

Vor diesem Hintergrund muss der heutige Predigttext verstanden werden, der im 11. Kapitel des Matthäusevangeliums steht:

Und es begab sich, als Jesus diese Gebote an seine zwölf Jünger beendet hatte, dass er von dort weiterging, um in ihren Städten zu lehren und zu predigen.
2 Als aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger
3 und ließ ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?
4 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht:
5 Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt;
6 und selig ist, wer durch mich nicht zur Sünde verleitet wird.

Das ist ganz und gar kein leichter Text, der uns da für den dritten Advent zugemutet wird. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, liebe Gemeinde. Für mich ist vor allem die Frage des Johannes noch im Ohr. Sie steht über dem ganzen Predigttext und fordert heraus.
„Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“
Es ist eine verstörende Frage, deren Sinn sich beim ersten Hören nicht nicht wirklich erschließt. Denn Johannes hat doch selbst Jesus getauft. Hat auf ihn hingewiesen und gesagt: „Es kommt einer nach mir, der ist stärker als ich; und ich bin nicht wert, dass ich mich vor ihm bücke und die Riemen seiner Schuhe löse. Ich taufe euch mit Wasser; aber er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.“ So berichtet es der Evangelist Markus und auch Matthäus und Lukas überliefern es ganz ähnlich.
Und dann diese Frage. Johannes scheint sich vergewissern zu wollen.
Ist derjenige, den ich getauft habe, den ich für den Messias gehalten habe, ist der es wirklich. Kann der die Welt erlösen? Und mich aus dem Gefängnis holen?
Lohnt es sich, noch zu hoffen. Lohnt es sich, auf diesen zu hoffen, lohnt es sich, überhaupt auf einen Messias, auf einen Erlöser zu hoffen?

Die Antwort gibt Jesus selbst. Doch er antwortet nicht mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“, sondern hält seine Antwort offen: „Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht:
5 Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt.“
Jesus stellt sich in die Tradition seiner Vorfahren und erinnert die Hörerinnen und Hörer, was von Alters her vom Messias erwartet wird. Er fasst die Messiashoffnungen zusammen. Ganz ähnliche wie die, die wir in der Schriftlesung vorher gehört haben.
Das Volk soll getröstet werden, die Knechtschaft Jerusalems, damit ist das babylonische Exil gemeint, soll ein Ende haben. Was krumm ist soll gerade werden.

Indem Jesus dies tut, hält er an den Verheißungen Gottes für Israel fest. Er hebt sie nicht auf, sondern bestätigt sie vielmehr.
Und er fordert seine Hörerinnen und Hörer auf, selbst genau hinzuschauen. Macht die Augen auf. Findet Ihr Eure Hoffnungen bestätigt, dann wird es wohl so sein.
Wenn nicht, wenn die alten Versprechen Gottes noch nicht in Erfüllung gegangen sind, dann müsst ihr noch weiter warten.

Somit gibt Jesus dem Täufer und vor allem seiner verstörenden Frage Recht. Es ist in Ordnung, nachzufragen ob es sich noch lohnt zu warten. Es ist völlig ok, immer wieder seine Zweifel auszusprechen, ob der Messias denn tatsächlich gekommen ist. Die Lage des Täufers war alles andere als erlöst, damals im Gefängnis. Und auch unsere Welt ist es noch nicht.
Auch für uns ist die Frage berechtigt, ob es sich noch zu hoffen lohnt.

Und manchmal müssen wir durch eine Frage aufgerüttelt werden, unseren Blick zu schärfen. So wie Jesus die Fragenden auffordert, hinzuschauen, ob die alten Verheißungen denn in Erfüllung gegangen sind.

Und dann ist da noch der merkwürdige Satz in der Antwort Jesu:
„selig ist, wer durch mich nicht zur Sünde verleitet wird.“

Jesus selbst weiß um den Anstoß, den sein Verhalten und seine Lehre seinen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen bietet.
Er kommt in keine heile Welt, er kommt nicht zu den Starken, Schönen und Reichen. Er kommt zu denen, die am Rand der Gesellschaft stehen, die übersehen werden, die Hilfe an Seele und Leib brauchen. Er predigt Freiheit in einem Land, das von einer Weltmacht besetzt ist.
Das ist anstößig und provoziert- gerade die Mächtigen.
Und dennoch: Jesus preist diejenigen selig, bei uns sagt man eher glücklich, die über sein Verhalten nicht den Glauben an den Gott Israels verlieren. Denn Sünde ist nichts anderes, als von Gott getrennt zu leben. Glücklich sind also diejenigen, die die Anstößigkeit Jesu, sein provozierendes Verhalten den Mächtigen gegenüber, das Leiden, das Mit-leiden Jesu mit den Menschen aushalten. Und die trotz einer noch ganz und gar unerlösten Welt auf den Gott der Väter und Mütter vertrauen. Auf den Gott Abrahams und Sarahs, Marias und Jesu, der das Kommen des Messias verheißt.
Jesus preist diejenigen glücklich, die im Hinschauen und Mit-leiden selbst zu Wegbereiterinnen, zu Verkündigern des Messias werden.

Trotz allem: ein Beigeschmack scheint aus diesem Predigttext zu bleiben.
Ein Wegbereiter, der selbst zweifelt. Ein Wegbereiter, der sich seines Amtes und seiner Aufgabe selbst nicht sicher ist. Das ist mehr als merkwürdig.
Für uns Menschen heute ist das jedoch entlastend und wahrscheinlich auch tröstend zu hören. Denn auch wir sind Wegbereiterinnen, Hinweisgeber auf Christus. Auch heute ist es noch unsere Aufgabe, auf Jesus hinzuweisen, der für uns Christenmenschen der Messias ist. In dem sich für uns die Versprechen Gottes erfüllt haben.
Gerade in unserer lutherischen Tradition spielt das Priestertum aller Getauften eine zentrale Rolle. Wir alle haben die Aufgabe, auf Jesus hinzuweisen, von ihm zu erzählen und das Reich Gottes in unserer Welt spürbar werden zu lassen. Jede und jeder von uns ist dazu berufen. Auch- und da geht es uns wahrscheinlich manchmal wie Johannes- wenn wir selbst unserer Sache nicht immer sicher sind. Wenn wir gar nicht immer wissen, ob wir tatsächlich an diesen Jesus aus Nazareth glauben können. Wenn die Fragen mal wieder größer und zahlreicher sind als die Antworten.
Wenn wir das Gefühl haben, nicht kompetent, nicht gebildet genug zu sein. Wenn wir denken, andere könnten das viel besser, wenn wir uns einreden viel zu beschäftigt mit unseren Alltagsdingen zu sein.
Dabei braucht es keine großen Worte und auch keine großen Taten. Es kostet nichts. Schon vermeintlich kleine Gesten reichen um klare Hinweise auf den zu geben, dessen Ankunft wir im Advent so sehnlich erwarten.
Ich denke da an die Schulkinder aus X und Y, die letzte Woche bei Älteren Menschen in unseren beiden Orten Weihnachtslieder gesungen haben.
Da ging es nicht um eine musikalisch perfekte Darbietung. Es ging darum, anderen eine Freude zu machen. Und das ist den Kindern gelungen. Ich weiß von Menschen aus unserer Gemeinde, die Tränen in den Augen hatten, weil ein paar Kinder in Begleitung von ein paar Erwachsenen für SIE gesungen haben. Das ist für mich Advent. Mehr als alle Weihnachtsmärkte und Nikolausfeiern, die uns suggerieren, dass ohne diese kein Weihnachten wäre. Das sind für mich kleine Wegbereiter und Hinweisgeberinnen auf den, dessen Ankunft wir erwarten.
Den Kindern hat es selbst Freude gemacht, dass sie anderen eine Freude machen konnten. Ich weiß, einige der Kinder waren sehr beeindruckt von der Reaktion der älteren Menschen und der Wertschätzung dessen, was die Kinder getan haben.
Und das alles in zwei Stunden an einem Samstag Nachmittag.

Oder das Erlebnis einer Bekannten in der vergangenen Woche.
Sie lebt in Bremen, ihre Eltern in Berlin. Als einzige Tochter musste sie einen Familiennotfall managen und vieles aus der Entfernung heraus erledigen und regeln. Sie wusste oft nicht, wie sie es schaffen würde. Und dann schrieb sie mir und anderen auf einmal folgendes:
„Ich danke Gott, dass er einen Engel geschickt hat – einen Engel ohne Flügel, aber in Polizeiuniform!
Stellt Euch vor, nach all den Vorfällen mit meinen Eltern hat er sich zur Aufgabe gemacht, öfter bei den beiden Alten reinzuschauen – er bietet sich jederzeit zum Gespräch an, wenn Vater kurz vor dem Ausflippen ist.
Ein ganz normaler Streifenbeamter vom dortigen Revier!!!!! Ich fasse es nicht!“

Der Polizist wurde für meine Bekannte und deren Eltern zum Engel. Vielleicht wusste er selbst nicht, was er diesen Menschen da gutes tat. Was er mit seinem Tun bewirkte. Dass er zu einem Boten Gottes wurde, zum Wegbereiter und Hinweisgeber auf Christus, der daran erinnert, dass die Versprechen Gottes, bei denen zu sein, die in Not sind, gelten. Auch heute noch.

Wir brauchen solche Wegbereiterinnen und Wegbereiter. In unserem Alltag, mitten in unserem Leben. Und jede und jeder kann es für andere sein.
Damit andere sehen, dass die Verheißungen Gottes in Erfüllung gehen. So wie vor 2000 Jahren.
Da ist es auch nicht schlimm, wenn wir uns unserer Sache nicht immer sicher sind, so wie es Johannes der Täufer auch nicht immer war. Der auch gefragt hat. Wer ist das eigentlich, auf den wir warten?
Und der Antwort bekam.
Das sind die Zeichen wenn der Messias kommt:
„Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt“.

Lassen Sie uns ans Werk gehen. Jede und jeder von uns. Wir alle können das. Als Wegbereiterinnen und Wegbereiter Gottes.
Denn auch das ist Advent. Und die Wartezeit wird für alle verkürzt.
Machen wir den Weg frei.
Amen

Eben bekam ich von einer bekannten folgendes zugeschickt.

Finde ich gar nicht schlecht.

Message from the CEO (Christmas Event Organizer): Dr. J. Christus v. Bethlehem:

Also Kinder, ich bin jetzt im Urlaub. Aller Vorrausicht nach bin ich bis Weihnachten wieder da, aber die Vorbereitungen darauf sollten natürlich jetzt schon loslaufen:

Status: Wie Weihnachten 2007 im Internet gezeigt hat, heißt Weihnachten nicht mehr Weihnachten, sondern X-mas, also muss der Weihnachtsmann entsprechend auch ab jetzt X-man heißen!

Da X-mas 2008 quasi schon vor der Tür steht, ist es spätestens seit Oktober höchste Zeit, mit der Weihnachtsvorbereitung zu beginnen – Verzeihung, seit Oktober ist es höchste Zeit, mit dem Weihnachts-Roll-Out zu starten und die Christmas-Mailing-Aktion just in time vorzubereiten.

Hinweis: Die Kick-Off-Veranstaltung (früher 1. Advent) für die diesjährige SANCROS (Santa Claus Road Show) findet bereits am 27. November 2008 statt.

Daher wurde das offizielle Come-Together des Organizing Commitees unter Vorsitz des CIO (Christmas Illumination Officer) abgehalten. Erstmals haben wir ein Projekt-Status-Meeting vorgeschaltet, bei dem eine in Workshops entwickelte To-Do-Liste und einheitliche Job Descriptions erstellt wurden. Dadurch sollen klare Verantwortungsbereiche, eine powervolle Performance des Kundenevents und optimierte Geschenk-Allocations geschaffen werden, was wiederum den Service-Level erhöht und außerdem hilft, X-mas als Brandnameglobal zu implementieren.

Dieses Meeting diente zugleich dazu, mit dem Co-Head des Global Christmas Markets (früher Knecht Ruprecht) die Ablauforganisation abzustimmen, die Geschenk-Distribution an die zuständigen Private-Schenking-Center sicherzustellen und die Zielgruppen klar zu definieren. Erstmals sollen auch sog. Geschenk-Units über das Internet angeboten werden.

Die Service Provider (Engel, Elfen und Rentiere) wurden bereits via Conference-Call virtuell informiert und die Core-Competence vergeben. Ein Bündel von Incentives und ein separates Team-Building-Event an geeigneter Location sollen den Motivationslevel erhöhen und gleichzeitig helfen, eine einheitliche corporate Culture samt Identity zu entwickeln.

Der Vorschlag, jedem Engel einen Coach zur Seite zu stellen, wurde aus Budgetgründen zunächst gecancelled. Stattdessen wurde auf einer zusätzlichen Client Management Conference beschlossen, in einem Testmarket als Pilotprojekt eine Hotline für kurzfristige Weihnachtswünsche einzurichten, um den added Value für die Beschenkten zu erhöhen. Durch ein ausgeklügeltes Management Information System (MIST) ist auch benchmark-orientiertes Controlling für jedes Private-Schenking-Center möglich.

Nachdem ein neues Literaturkonzept und das Layout-Format von externen Consultants (Osterhasen Associates) definiert wurde, konnte auch schon das diesjährige Goldene Buch (Golden Book Release 2008.1) erstellt werden. Es erscheint als Flyer, ergänzt um ein Leaflet und einen Newsletter für das laufende Updating. Hochauflagige Lowcost-Giveaways dienen zudem als Teaser und flankierende Marketingmaßnahmen. Ferner wurde durch intensives Brainstorming ein Konsens über das Mission Statement gefunden.

Es lautet: „Let s keep the candles burning“ und ersetzt das bisherige „Frohe Weihnachten“.

X-man hatte zwar anfangs Bedenken angesichts des corporate Redesigns. Er akzeptierte aber letztlich den progressiven Consulting-Ansatz, auch im Hinblick auf den Shareholder-Value, und würdigte das Know-how seiner Investor-Relation-Manager.

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