Nach einem Jahr munterem Gezwitscher soll es eine kleine Neuerung als Dank für alle regelmäßigen Leserinnen und Leser geben, aber auch für diejenigen, die vielleicht eher zufällig hierher kommen.

Im „Hintergrund“ sehe ich immer wieder auch Schlagworte, durch die mein Blog gefunden wurde.
In unregelmäßigen Abständen, werde ich also etwas zu diesen meistgesuchten Schlagworten, aber auch zu konkreten Anfragen schreiben.

Heute früh kam der Gästebucheintrag von Malwine, einer „zufälligen“ Leserin, die bald selbst auf der Kanzel stehen wird.
Da das Thema Kleidung gerade bei Frauen eine große Rolle spielt, werde ich die Gedanken der Leserin mal aufnehmen. Sie schreibt:

Ich mache mir jetzt schon Gedanken zum Thema Bekleidung: bin mit 1,85m Körpergröße und Schuhgr.43 reich gesegnet (ganz zu schweigen von zu niedrigen Pulten auf der Kanzel…).

Ja, das Thema Kleidung ist wichtig- wichtiger oft als uns lieb ist. Denn wir vermitteln dadurch non-verbale Botschaften.
Gerade als junge Frauen, wenn wir uns modisch kleiden, passen wir oft so gar nicht ins Klischee von Kirche und Gottes Bodenpersonal. Selbst durch unsere Kleidung transportieren wir dann die Botschaft: „Hey, so altbacken wie Ihr Euch Kirche vorstellt, sind wir doch gar nicht. Schau doch mich an.“

Gestern erzählte mir auch ein Gemeindeglied, dass er meinen Vorgänger einmal beinahe nicht ins Haus lassen wollte, weil der einen so zotteligen und ungepflegten Bart hatte, dass der Besuchte eher an einen Hausierer dachte als an den Pfarrer (klar, in einem Dorf wie meinem, könnte man den Pfarrer schon kennen- das „erledigt“ sich oft auch durch einen Gottesdienstbesuch).
Doch der Bericht zeigt: Kleider bzw. das entsprechende Aussehen machen Leute.

Jetzt aber zur Anfrage von Malwine:

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein „Business-look“ meist nicht verkehrt ist. Bei allen „offiziellen“ Anlässen habe ich den Eindruck, damit richtig angezogen zu sein, ein Stück Vertrauenswürdigkeit und trotzdem Jugendlichkeit und Modebewußtsein zu transportiern. (Klar, gehe ich auch mit Jeans und T-Shirt in die Schule und den Konfirmandenunterricht) Aber reden wir mal eher von den „offizielleren“ Anlässen wie Gottesdienst, Besuche, Gemeindeveranstaltungen, Grußworte und sonstigen Repräsentationsaufgaben.

Da die Leserin 1, 85m groß ist, fange ich mit dem größten Problem an- den Hosen.

Mein absolutes Basic-Teil ist ein schwarzer Hosenanzug.
Ich bin zwar „nur“ 1,78 m groß, weiß aber wie schwer es ist, entsprechend lange Hosen zu bekommen, die keine Jeans sind.
Mein Hosenanzug habe ich mir vor 5 Jahren, vor dem Vikariat, auf der Durchreise in Thailand maßschneidern lassen. Ich bereue diese Entscheidung nicht.
Ich trage ihn zu Gottesdiensten, Beerdigungen etc. Zu anderen offiziellen Anlässen ebenso. Manchmal auch nur die Hose mit einem anderen Blazer, meist aber eben doch den ganzen Anzug.
Frabe in das Ganze bringe ich durch farbige Blusen- wer sagt, dass man nur schwarz-weiß tragen darf.
Auch ein bunter Schal kann etwas „pep“ hineinbringen- ich selbst bin aber keine Schal-/Tuchträgerin.

Vielleicht wäre es auch für Dich eine Überlegung, die Euros in einen(!) guten Hosenanzug zu investieren.
Da weißt Du dann, dass er passt und richtig sitzt. Vielleicht wäre das ja ein entsprechendes Examensgeschenk?

Ansonsten versuche ich auch immer Jeans, die es glücklicherweise in Langgrößen gibt, mit einer Bluse oder einem Blazer aufzupeppen und „businesstauglich“ zu machen. Dazu trage ich bevorzugt gut tailliert geschnittene Blazer.
Und natürlich nicht die ausgewaschenen Jeans, eher mal eine schwarze oder dunkelblaue. Ich finde, das geht auch für Geburtstagsbesuche, Kirchengemeinderatssitzungen etc.

Dazu ein paar schicke Schuhe.
Leider lebt Malwine auf großem Fuß. Dazu kann ich nicht viel sagen. Aber als Frau hat man mit Größe 43 sicherlich Probleme, gute, schicke, bequeme und dann auch noch bezahlbare Schuhe zu finden.
Achte beim Schuhkauf darauf, dass Du ein Paar- vorzugsweise schwarze Schuhe, passend zum Talar- findest, in denen du gut stehen kannst. Lauf und steh ruhig mal 20 Minuten im Schuhgeschäft Probe.
Auch da hat es sich für mich bewährt, eher auf Qualität als auf den Preis zu achten. Meine „Talarschuhe“ sind mit die bequemsten Schuhe, die ich habe. Und das ist wichtig, weil ich sie oft trage- nicht nur zum Gottesdienst.

Damit wären die wichtigsten Basics schon einmal besprochen.
Beim Talarkauf empfehle ich Maßanfertigung. Auch das ist eine Investition in die Zukunft, die sich bezahlt macht. Sparen wäre völlig fehl am Platz. Überlege Dir, was Du willst im Blick auf Sonderausstattung und wenn Du die Möglichkeit hast, trage mal verschiedene Stoffvarianten Probe. Oft kommen die Talarschneider ja ohnehin zu Beginn des Vikariates in die Kurse und das Maßnehmen und die Anprobe werden zu einem richtigen Event, das zudem noch Spaß machen kann.
In meinem Fall hat die Schwalbenmama die Finanzierung als verspätetes Examensgeschenk übernommen. Was mich sehr gefreut hat.

Jetzt noch das Problem mit der Kanzel und der nicht vorhandenen Höhe des Lesepultes auf derselben.
Auch ich hatte das in einer meiner beiden Kirchen.
Die ersten Predigten hielt ich in leicht gebückter Haltung. Dabei fühlte ich mich nicht wohl und wurde durch die rhetorisch ungünstige Haltung vom Wesentlichen abgelenkt. Und die Gemeinde wahrscheinlich auch.

Doch ich habe das Glück, einen Orgelbauer in der Gemeinde zu haben.
Dem klagte ich mein Leid. Und er half mir ganz praktisch.
Unsere Kanzel ist aus Holz. Er nahm einfach den Aufsatz des Lesepultes ab und setzte einfach- nicht verleimt- ein ca. 10 cm hohes Holzstück ein- dann kam der Aufsatz wieder drauf und man sieht fast nichts.
Für mich ist das ein Geschenk des Himmels.

Ich wünsche Dir, dass Du auch so jemanden findest, der Dir da mit einer kreativen Lösung hilft.
Sprechenden Menschen kann ja bekanntlich geholfen werden.

I´ve been a frequent reader of the US-Ezine Fidelia´s sisters since they started a year ago.

I can find myself in many of the experiences described in various posts on different issues.

This post describes exactly what I experience when I´m off to „normal“ life.

It really seems that young clergy women seem to be an alien species.

There is nothing to add to that great article!
Thank you for hitting the nail on the head!

Dass das Beffchen kein Kleidungsstück für Frauen ist, wissen zumindest die meisten Pfarrerinnen.
Ursprünglich war das Beffchen ein weißer, wesentlich größerer Kragen als heute, der als „Bartschutz“ diente.
Wahrscheinlich sollte es die Kleidung der Gelehrten vor den sich im Bart der Träger verfangenen Essensreste schützen. Oder vor Perückenpuder oder vor was auch immer.

Allerdings hat sich in den letzten Jahren das Beffchen auch als Amtstracht bei Pfarrerinnen durchgesetzt. Wohl gibt es einige Kolleginnen, die den weißen Kragen tragen, aber ich trage, wie die meisten Frauen, eben Beffchen.

Und damit ergibt sich ein ganz neues Frauenproblem:

Make-up am Beffchen.
Auch ich habe schon wiederholt Lippenstiftspuren auf dem Beffchen entdeckt- nämlich dann, wenn mir der Wind das Beffchen ins Gesicht weht.
Und am Hals, also da wo es umgeschlagen und im Talar festgemacht wird, hält sich mittlerweile (nach 4 Jahren) ein hartnäckiger Rand von Make-up Resten.
Normales Waschen scheint da nicht immer zu helfen, ich habe es gerade beim Bügeln festgestellt. Zwar geht schon einiges damit raus, aber halt nicht alles.
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dreckrand11

Ich fürchte, ich muss da mal mit irgendwas schärferem rangehen. Gallseife oder so.
Falls jemand Tipps und Tricks hat, bin ich durchaus dankbar dafür.
Ich habe zwar noch ein paar neue in der Schublade, aber eigentlich mag ich das hier ganz besonders gerne.

Egal, ich werde jetzt trotzdem das eben gebügelte Beffchen zum Buß- und Bettagsgottesdienst tragen.
Mit Dreckrand. Und Make-up.

Während unseres Aufenthaltes in Genf war in unserer Unterkunft noch ein interreligiöses Studienprojekt mit Studierenden aus verschiedenen Religionen und Ländern untergebracht.

Unter anderem ein armenischer (?) Bischof, der selbstverständlich immer im Ornat zu sehen war. Ein muslimischer Student war stets in Anzug und Krawatte zu sehen. Eine afrikanische Teilnehmerin war auch immer tres chic gekleidet.

Anders einige meiner Kollegen (sorry, es waren wirklich die Männer. Von uns wenig Frauen ist mir niemand negativ aufgefallen).

Sicher braucht man auf einem Pfarrkonvent nicht dauernd in Anzug und Krawatte rumlaufen, obwohl einer meiner Kollegen das auch getan hat.
Das andere Extrem sind irgendwelche Outdoorklamotten wie Cargohosen, ungebügelte großkarierte Hemden oder gammelige Jeans.
Dazu entweder Birkenstocks oder noch schlimmer die neueste Pest: Crocs!
Jungs, Ihr seid hier weder am Strand noch in Eurem Wohnzimmer unterwegs.

Mein Dekan hatte in einem anderen Zusammenhang darauf hingewiesen, dass wir nicht im Urlaub, sondern auf Pfarrkonvent waren.
Das gilt auch für die Kleidung.

Auch unbewusst repräsentiert Ihr Eure/unsere Kirche.
Wir wurden sehr wohl als deutsche Pfarrerinnen und Pfarrer wahrgenommen.
Wollen wir wirklich den Gammel-Eindruck vermitteln?

Beim Versuch mein übliches Chaos aufzuräumen fiel mir auch mal wieder ein zwar gewaschenes und gebügeltes aber immer noch zerknittertes Beffchen in die Hände.

Sie sind ein ur-evangelisches Kleidungsstück, können Insider doch einige Informationen aus der Beffchenform herauslesen.

offenes Beffchen- lutherisch

geschlossenes Beffchen- reformiert

halboffen- na was wohl- uniert

Auf dieser Homepage können weitere Beffchenformen und die dadurch vermittelten Informationen nachgelesen werden.
Ob diese allerdings der gängigen Kleiderordnung der jeweiligen Landeskirche entsprechen, möge der geneigte Leser, die geneigte Leserin selbst überprüfen.
;-)

Ein Pfarrer, respektive eine Pfarrerin, hält sonntags Gottesdienst und hat sonst die ganze Woche frei. Außerdem betet sie/er den ganzen Tag.

Bestenfalls besucht man (vor allem Mann) ältere, alleinstehende Damen zu Kaffee und Kuchen.

Soweit das landläufige Klischee.

Zumindest bekomme ich das häufig als Antwort, wenn ich auf die Frage „Was macht eine Pfarrerin eigentlich unter der Woche?“ zurückfrage „Was denkst du denn?“

 

In meinem Ordinationsgelübde habe ich ja auch versprochen, für meinen Teil Sorge zu tragen, dass das Evangelium von Jesus Christus aller Welt verkündigt wird.

Und ich will diesem Versprechen gerne nachkommen. Doch leider sieht die Realität ganz anders aus.

Wenn ich meinen Kalender durchschaue, sind die häufigsten Termine irgendwie mit Verwaltung oder ähnlichem verbunden. Alleine heute habe ich eine Mitarbeiterin besucht, um den neuen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Dann eine weitere, kräfte- und nervenaufreibende Personalsache versucht zu lösen. Und die Nachwehen des Gemeindefestes am Sonntag sind auch noch zu spüren.

Gestern war Dienstbesprechung der hauptamtlichen MitarbeiterInnen, nachmittags dann Pfarrerdienstbesprechung.

Am Montag war Bauschau, weil das Pfarrhaus in einem erbärmlichen Zustand ist und nun unübertrieben zum fünften Mal ein (jedesmal anderer) Sachverständiger sich die baulichen Mängel anschauen muss.

Immerhin weiß ich jetzt, was ein Tau-punkt bei Gebäuden und was der optimale Dachneigungswinkel für Solaranlagen ist.

Da die Kirchengemeinde auch Trägerin des Kindergartens ist, fallen zur Zeit auch wieder fast wöchentlich Sitzungen des Trägerkreises an. Immerhin ist Bildung ein Kernanliegen der Reformation. Im weitesten Sinne könnte ich das ja noch zum Kerngeschäft zählen.

 

Wo aber bleibt die Zeit für die berühmten Kaffeebesuche (außerdem schaue ich, dass ich so komme, dass die Besuchten keinen allzu großen Aufwand treiben. Ein Wasser nehme ich gerne, aber mehr nicht.) und das Betüddeln der älteren, einsamen Damen? (Oder hat die junge Pfarrerin eher alleinstehende Männer zu besuchen???)

Immerhin habe ich gestern und heute, wie jeden Dienstag und Mittwoch meine sechs Wochenstunden Religion an der Grundschule unterrichtet. Und wie jeden Mittwoch war auch heute Konfirmandenunterricht.

Das ist immerhin Evangeliumsverkündigung.

Wo aber liegen die  Hauptaufgaben im Pfarramt. Warum sieht die Realität so anders aus, als sie sich häufig auf dem Papier darstellt.

Ich wehre mich meistens gegen das Klischee vom altehrwürdigen, schwarz gekleidetetn Herrn Pfarrer (von Frauen gibt es dieses Klischee ja nicht). Doch dieses Klischee vertritt ein Pfarrerbild, in dem der Pfarrer (und vielleicht auch die Pfarrerin??) Seelsorger ist, seine Gemeindeglieder persönlich kennt und an ihrem Leben Anteil nimmt. Der Zeit hat, mit den Menschen zu leben und nicht vom Terminkalende gejagter ist. Der in seiner Studierstube sitzt, theologisch arbeitet und seine Predigten sorgfältig vorbereitet und auch memoriert, um sie am Sonntag dann möglichst frei zu predigen.

Ich hingegen habe oft das Gefühl, Verwalterin und Managerin der Gemeinde zu sein.

Gehetzt und gejagt von Terminen, die mit dem pastoralen Kerngeschäft oft nichts oder nur sehr wenig zu tun haben.

Die wirklich wichtigen Dinge kriege ich nicht mit. Zum Beispiel wer im Krankenhaus ist, wo wirtschaftliche oder auch seelische Not ist. Wo mit ein paar kleinen Schritten effektiv geholfen werden kann.

Und wo bleibt die Zeit zum beten? Das macht eine Pfarrerin doch den ganzen Tag.