Fast jede und jeder im Pfarramt kennt sie.
Die „Durchwanderer“ oder Landstreicher, die ab und zu an der Tür läuten.
Bei mir auf dem Land kommen sie nicht so oft vorbei wie in der Stadt, aber doch auch immer mal wieder.
Kürzlich war es wieder so weit.
Es läutete Sturm an der Türe. Als ich an die Sprechanlage ging, meldete sich niemand. Ich vermutete den Postboten, der oft sehr schnell weitergeht.
Also die Treppe runter an die Haustüre.
Da kam auch der Landstreicher von der anderen Straßenseite und begrüßte mich „freudig“ mit: „Na, Allerliebste, ist ja doch jemand da“. (Oha- kennen wir uns ??????)
Die Allerliebste lächelte etwas gequält als das Gegenüber den Wunsch nach etwas zu Essen und Trinken aussprach. Es war ein heißer Tag. Nicht nur deshalb kam ich seinem Wunsch nach.
Bei mir bekommt jeder etwas zu Essen und zu trinken.
Zu meiner eigenen Sicherheit lasse ich die Landstreicher meist vor der Türe warten. Der, der aktuell um etwas zu Essen bat, bot es sogar von sich aus an. Nahm seinen Schlafsack und setzte sich auf die Eingangsstufen.
Ich hatte gerade Kuchen aus dem Gefrierschrank geholt und taute also dem Landstreicher auch ein Stück in der Mikrowelle auf. Dazu eine große Flasche Wasser, die er dann im Supermarkt gegen Pfand eintauschen konnte.
Hastig verspeiste er den Kuchen. Dann bat er noch um ein paar Brote als Wegzehrung.
Die Allerliebste ging also wieder in die Küche und schmierte noch Marmeladenbrote.
Ich brachte ihm die Brote. Dann fragte er ob er, noch einen Kaffee haben könne und dazu „zwei, drei oder auch zwanzig Euro.“
Da begann ich mir ausgenutzt und vera****t vorzukommen.
Jeder, der Hunger und Durst hat, bekommt etwas bei mir. Das ist eine alte Beduinenregel, die ich in Israel kennen gelernt habe und die ich sehr wichtig finde.
Manchmal bekommen die Landstreicher auch 5 Euro aus der Pfarramtskasse, wenn sie es schaffen, mir eine Geschichte so glaubwürdig zu erzählen, dass ich zumindest so tue, als ob ich sie ihnen glauben würde.
Der Hit dabei ist immer die zu kaufende Zugfahrkarte. (Ja, ne is klar für 5 Euro nach Berlin oder so….) Aber lassen wir das…
Als ich meinem Gegenüber dann sagte, dass ich fände, das was er von mir bekommen hat, würde für den Anfang mal reichen, wurde er etwas unverschämt. Ich wurde deutlicher, dann nahm er seinen Schlafsack und trollte sich.
Uff- solche Menschen, die zwar ganz offensichtlich in Not sind und Hilfe brauchen (in Form von Butterbroten, aber auch umfassender im Sinne einer Resozialisierung), dann aber eine Forderung nach der anderen stellen, die sind eine echte Herausforderung an die Nächstenliebe.
Ich möchte auch in diesen Menschen Christus sehen. Aber Jesus hätte nicht eine Forderung nach der anderen gestellt.
