Nun ist die Wahl also gelaufen. Ich habe es live im Internet gesehen.
Margot Käßmann ist EKD-Ratsvorsitzende.

Glückwunsch und Gottes Segen zu diesem großen Amt.

Ich habe morgen (!) eine Trauung zu halten, bei der ich auch nachher zur Feier eingeladen bin.

Das Paar ist um die 50, geht regelmäßig in den Gottesdienst und wäre zutiefst enttäuscht, wenn ich nicht käme.
Also muss (und will) ich zur Feier.

Die Frage ist nur: Was soll ich anziehen?
Die Wettervohersage ist: heiß und schwül

Für die Trauung selbst kommt nur eine dunkelgraue Leinenhose und ein leichtes Shirt unter dem Talar (6 Meter Wollstoff- kuschlig aber warm!) in Frage.

Für die Feier muss ich mich also umziehen, denn im Shirt (womöglich ärmellos) und einer bis dahin verknitterten Leinenhose kann ich nicht zur Feier kommen.

Jede Form von Hosenanzug scheint zu warm zu sein.

Ich habe verschiedene Optionen:

-Ein leichtes, sonnengelbes Sommerkleid, ärmellos und ziemlich kurz.
-ein weniger leichtes schwarzes Etuikleid, auch kurz, ärmellos
- einen Baumwollwickelrock aus Thailand, lang, königsblau mit Goldstickerei, dazu ein goldenes ärmelloses Top

Die beiden Kleider scheinen mir ein wenig zu sexy zu sein. Immerhin bin ich ja nicht als Familienmitglied oder eine gute Freundin bei der Feier.
Außerdem sind meine Beine ziemlich verstochen und nicht gerade vorzeigbar.
Bei dem langen Rock aus Thailand bin ich aber unsicher, ob der nicht zu schlicht für eine Hochzeit ist.

Ich merke gerade, das tendiert alles zu ärmellos. Ich habe heute gelesen, dass das kniggemäßig doch nicht so ok ist, auch bei uns in Dtl. nicht.

Also doch Hosenanzug? Oder Sommerkleid?
Kostüm?- Da müsste ich aber Strümpfe dazu tragen. Das ist mir zu warm.

Och menno- ein Mann könnte jetzt einen leichten Sommeranzug tragen und dann hat sich das erledigt. Warum haben wir Frauen immer solche Kleiderprobleme?

Habt Ihr noch einen schnellen Rat? Mädels, was meint Ihr?

Dass ich als Pfarrerin, die (noch) einigermaßen jung ist und auch sonst nicht unbedingt ins Klischee passt (oder passen will) mal den einen oder anderen Kommentar über mein Aussehen, Figur, Kleidung etc abbekomme, damit habe ich mich mittlerweile abgefunden.
Nach beinahe fünf Jahren war ich bis heute auch der Meinung, dass ich so ziemlich alles an Kommentaren bezüglich meines Äußeren gehört habe, die es zu hören gibt.

Ich finde es nach wie vor unverschämt, wenn Leute meinen, sich über die Figur (auch wenn sie schlank ist) oder das Aussehen der Pfarrerin (oft noch in meiner Gegenwart) auslassen zu müssen.
Klar ist das positiv gemeint. Aber ich will schließlich gute Arbeit als Pfarrerin leisten und nicht über mein Äußeres bewertet werden.
Jaja, ich weiß, das Aussehen spielt bei Frauen leider immer eine größere Rolle als bei Männern.
Und Frauen in öffentlichen Funktionen und Ämtern scheinen es da besonders schwer zu haben.

Natürlich lege ich Wert auf gutes, gepflegtes Aussehen, weil es für mich eine Frage der Professionalität ist, dem Anlass angemessen gekleidet, frisiert und ggf. auch geschminkt zu sein.
In die Schule gehe ich anders als wenn ich bei einem offiziellen Anlass ein Grußwort im Namen der Kirchengemeinde sprechen muss.
Zu ersterem gerne die geliebte Jeans und (gebügeltes) T-Shirt. Zu letzterem aber auf jeden Fall Kostüm oder Hosenanzug.

Den allerschärfsten Kommentar habe ich heute Abend gehört.
Ich war bei der Verabschiedung meines Kollegen W. Im Namen des Kollegenkreises, von dem auch einige anwesend waren, incl. rk Kollege, sprach ich ein Grußwort und überreichte ein kleines Abschiedsgeschenk.

Beim anschließenden Stehempfang kam ein Mann, ca 60, auf meinen Kollegen D. und mich zu.
Er sagte, das Grußwort sei schön gewesen und ich sähe heute so „adrett“ aus.
Kollege D., der mit Komplimenten mir gegenüber sehr großzügig ist (der darf das, weil er auch meine Arbeit als Pfarrerin sieht und wertschätzt), meinte dann nur, ja, auf die Kollegin Kanzelschwalbe ließe er nichts kommen.
Daraufhin wieder dieser Mann: „also als ich Sie das letzte Mal gesehen habe, da hatten Sie die Haare so offen und hätten dringend mal wieder zum Frieseur gemusst.“
*sprachlosbin*
Hallo? Geht´s noch?

Kollege D. rettete dann irgendwie die Situation, aber ich war völlig schockiert angesichts dieser Dreistigkeit des Mannes. Meinen männlichen Kollegen passiert so etwas in dieser Direktheit und Unverblümtheit sicher nicht.

Als der freundliche Komplimentemacher sich dann verabschiedete, konnte ich mir nicht verkneifen, ihm zu sagen, dass ich ihm das nächste Mal Bescheid gäbe, falls ich wieder zum Friseur gehe. Ich dachte, damit würde ich ihm deutlich machen, dass er gewisse Grenzen überschritten hat.
Und was sagt der: Naja, damals hatten Sie´s ja auch wirklich nötig.
*völligentsetztbin*

Ich weiß es nicht, warum manche Menschen denken, sie könnten mich so direkt und unverblümt auf mein Aussehen ansprechen.
Ganz ehrlich- machen das die Leute auch bei den LehrerInnen ihrer Kinder, ihrem Arzt oder der Rechtsanwältin?
Wenn nicht- woher nehmen sie dann das Recht, dies bei der Pfarrerin zu tun?

Eben hatte ich eine Gruppe equadorianischer Lehrerinnen und Lehrer durch unsere schmucke Kirche mit dem schönen Schnitzaltar geführt.
Eigentlich nichts ungewöhnliches, dass ich ab und zu auch mal Führungen mache.
Es war eine lustige Gruppe, die auch Musik machten und für eine schöne internationale Begegnung sorgten.
(So mag ich´s ja)

Zum Schluss aber meinte einer der Equadorianer:“ Ich bin überrascht, wie viele Pfarrerinnen es hier in Deutschland gibt. Jetzt kenne ich schon zwei“.
*rofl*

Nach einem Jahr munterem Gezwitscher soll es eine kleine Neuerung als Dank für alle regelmäßigen Leserinnen und Leser geben, aber auch für diejenigen, die vielleicht eher zufällig hierher kommen.

Im „Hintergrund“ sehe ich immer wieder auch Schlagworte, durch die mein Blog gefunden wurde.
In unregelmäßigen Abständen, werde ich also etwas zu diesen meistgesuchten Schlagworten, aber auch zu konkreten Anfragen schreiben.

Heute früh kam der Gästebucheintrag von Malwine, einer „zufälligen“ Leserin, die bald selbst auf der Kanzel stehen wird.
Da das Thema Kleidung gerade bei Frauen eine große Rolle spielt, werde ich die Gedanken der Leserin mal aufnehmen. Sie schreibt:

Ich mache mir jetzt schon Gedanken zum Thema Bekleidung: bin mit 1,85m Körpergröße und Schuhgr.43 reich gesegnet (ganz zu schweigen von zu niedrigen Pulten auf der Kanzel…).

Ja, das Thema Kleidung ist wichtig- wichtiger oft als uns lieb ist. Denn wir vermitteln dadurch non-verbale Botschaften.
Gerade als junge Frauen, wenn wir uns modisch kleiden, passen wir oft so gar nicht ins Klischee von Kirche und Gottes Bodenpersonal. Selbst durch unsere Kleidung transportieren wir dann die Botschaft: „Hey, so altbacken wie Ihr Euch Kirche vorstellt, sind wir doch gar nicht. Schau doch mich an.“

Gestern erzählte mir auch ein Gemeindeglied, dass er meinen Vorgänger einmal beinahe nicht ins Haus lassen wollte, weil der einen so zotteligen und ungepflegten Bart hatte, dass der Besuchte eher an einen Hausierer dachte als an den Pfarrer (klar, in einem Dorf wie meinem, könnte man den Pfarrer schon kennen- das „erledigt“ sich oft auch durch einen Gottesdienstbesuch).
Doch der Bericht zeigt: Kleider bzw. das entsprechende Aussehen machen Leute.

Jetzt aber zur Anfrage von Malwine:

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein „Business-look“ meist nicht verkehrt ist. Bei allen „offiziellen“ Anlässen habe ich den Eindruck, damit richtig angezogen zu sein, ein Stück Vertrauenswürdigkeit und trotzdem Jugendlichkeit und Modebewußtsein zu transportiern. (Klar, gehe ich auch mit Jeans und T-Shirt in die Schule und den Konfirmandenunterricht) Aber reden wir mal eher von den „offizielleren“ Anlässen wie Gottesdienst, Besuche, Gemeindeveranstaltungen, Grußworte und sonstigen Repräsentationsaufgaben.

Da die Leserin 1, 85m groß ist, fange ich mit dem größten Problem an- den Hosen.

Mein absolutes Basic-Teil ist ein schwarzer Hosenanzug.
Ich bin zwar „nur“ 1,78 m groß, weiß aber wie schwer es ist, entsprechend lange Hosen zu bekommen, die keine Jeans sind.
Mein Hosenanzug habe ich mir vor 5 Jahren, vor dem Vikariat, auf der Durchreise in Thailand maßschneidern lassen. Ich bereue diese Entscheidung nicht.
Ich trage ihn zu Gottesdiensten, Beerdigungen etc. Zu anderen offiziellen Anlässen ebenso. Manchmal auch nur die Hose mit einem anderen Blazer, meist aber eben doch den ganzen Anzug.
Frabe in das Ganze bringe ich durch farbige Blusen- wer sagt, dass man nur schwarz-weiß tragen darf.
Auch ein bunter Schal kann etwas „pep“ hineinbringen- ich selbst bin aber keine Schal-/Tuchträgerin.

Vielleicht wäre es auch für Dich eine Überlegung, die Euros in einen(!) guten Hosenanzug zu investieren.
Da weißt Du dann, dass er passt und richtig sitzt. Vielleicht wäre das ja ein entsprechendes Examensgeschenk?

Ansonsten versuche ich auch immer Jeans, die es glücklicherweise in Langgrößen gibt, mit einer Bluse oder einem Blazer aufzupeppen und „businesstauglich“ zu machen. Dazu trage ich bevorzugt gut tailliert geschnittene Blazer.
Und natürlich nicht die ausgewaschenen Jeans, eher mal eine schwarze oder dunkelblaue. Ich finde, das geht auch für Geburtstagsbesuche, Kirchengemeinderatssitzungen etc.

Dazu ein paar schicke Schuhe.
Leider lebt Malwine auf großem Fuß. Dazu kann ich nicht viel sagen. Aber als Frau hat man mit Größe 43 sicherlich Probleme, gute, schicke, bequeme und dann auch noch bezahlbare Schuhe zu finden.
Achte beim Schuhkauf darauf, dass Du ein Paar- vorzugsweise schwarze Schuhe, passend zum Talar- findest, in denen du gut stehen kannst. Lauf und steh ruhig mal 20 Minuten im Schuhgeschäft Probe.
Auch da hat es sich für mich bewährt, eher auf Qualität als auf den Preis zu achten. Meine „Talarschuhe“ sind mit die bequemsten Schuhe, die ich habe. Und das ist wichtig, weil ich sie oft trage- nicht nur zum Gottesdienst.

Damit wären die wichtigsten Basics schon einmal besprochen.
Beim Talarkauf empfehle ich Maßanfertigung. Auch das ist eine Investition in die Zukunft, die sich bezahlt macht. Sparen wäre völlig fehl am Platz. Überlege Dir, was Du willst im Blick auf Sonderausstattung und wenn Du die Möglichkeit hast, trage mal verschiedene Stoffvarianten Probe. Oft kommen die Talarschneider ja ohnehin zu Beginn des Vikariates in die Kurse und das Maßnehmen und die Anprobe werden zu einem richtigen Event, das zudem noch Spaß machen kann.
In meinem Fall hat die Schwalbenmama die Finanzierung als verspätetes Examensgeschenk übernommen. Was mich sehr gefreut hat.

Jetzt noch das Problem mit der Kanzel und der nicht vorhandenen Höhe des Lesepultes auf derselben.
Auch ich hatte das in einer meiner beiden Kirchen.
Die ersten Predigten hielt ich in leicht gebückter Haltung. Dabei fühlte ich mich nicht wohl und wurde durch die rhetorisch ungünstige Haltung vom Wesentlichen abgelenkt. Und die Gemeinde wahrscheinlich auch.

Doch ich habe das Glück, einen Orgelbauer in der Gemeinde zu haben.
Dem klagte ich mein Leid. Und er half mir ganz praktisch.
Unsere Kanzel ist aus Holz. Er nahm einfach den Aufsatz des Lesepultes ab und setzte einfach- nicht verleimt- ein ca. 10 cm hohes Holzstück ein- dann kam der Aufsatz wieder drauf und man sieht fast nichts.
Für mich ist das ein Geschenk des Himmels.

Ich wünsche Dir, dass Du auch so jemanden findest, der Dir da mit einer kreativen Lösung hilft.
Sprechenden Menschen kann ja bekanntlich geholfen werden.

Ehe ich selbst für eine Pfarrstelle verantwortlich war, war mir nie bewußt, was für ein heiß umkämpfter Markt Pfarrämter wohl sind.

Immer mal wieder rufen -meist weibliche- Vertreter von irgendwelchen Kirchenbedarfsgeschäften an. Ob ich nicht das supergünstige Angebot für Häkelbeffchen, lange Unterhosen in liturgischen Farben, Glückwunschkarten im Kukidentdesign oder das Online-Predigtabonnement annehmen möchte. Das alles würde mir die Arbeit ja soooo erleichtern, ich bräuchte mich um nichts mehr kümmern und auch nicht mehr selbst denken.

Der Wortschwall, mit dem sie auf mich einsprudeln ist meistens gewaltig, die haben sich wohl auf ebenso wortgwaltige Gesprächspartner am anderen Ende eingestellt.
Ja, ich erwähne bewusst nur die Gesprächspartner.

Wohl haben sowohl meine Landeskirche als auch alle anderen Landeskirchen in Deutschland seit buchstäblich -zig Jahren die Frauenordination eingeführt. Doch scheint sich dies noch nicht bei unseren ach so kundenorientierten Kirchenbedarfsmarketingstrategen herumgesprochen haben.

Wohl scheinen sie in der Lage zu sein, die Telefonnummer des Pfarramts ausfindig zu machen und auch genau zu wissen, welche Artikel und Schnäppchen ich aus ihrem unsagbar günstigen Angebot ich jetzt unbedingt brauche.

Das beste Beispiel für die Kundenorientierung ist immer der Gesprächseinstieg:

*Klingelingeling*
K: Kanzelschwalbe.
M-S: Ja, guten Tag, mein Name ist Müller-Schnellsprech. Ist denn der Herr Pfarrer zu sprechen.
K: Sie sprechen mit „dem Herrn Pfarrer“.
M-S: Oh…..

Ja, Frau Müller-Schnellsprech. Das nenne ich Kundenorientierung. Immer das passende Angebot für den „Herrn Pfarrer“ zu haben. Gezielte Kundenbetreuung.
Vielleicht sollten Sie nach -zig Jahren der Frauenordination mal Ihr Angebot auf die speziellen Bedürfnisse der „Frau Pfarrerin“ anpassen.

Wie wär´s mit Lippenstift in den kirchenjahreszeitlich passenden liturgischen Farben.
Jetzt ist ja bald grün dran. :-)

Eben habe ich mich über diese Meldung der sonst von mir geschätzten Frankfurter Rundschau geärgert.

Zunächst einmal Glückwunsch, Eva Brunne, zur Wahl zur Bischöfin in Schweden.

Was mich an der Pressemeldung ärgert, ist dass die gute Frau auf ihre Sexualität reduziert wird.
Nur wenig wird gesagt über ihre bisherige Arbeit in der Kirche- über ihre theologische Qualifikation etc.

Es ist schön, dass es in einigen Kirchen wohl weniger Diskussion um die Ordination/Weihe von Schwulen und Lesben gibt. Ich unterstütze das voll und ganz.

Ich habe während meines Studiums auch schwule und lesbische Studienkolleginnen und -kollegen gehabt.
Einige leben ihre sexuelle Orientierung selbstbewusst und mehr oder weniger offen (zugegebenermaßen teilweise im Ausland).
Andere sind daran zerbrochen, weil sie den Eindruck hatten, dass sie als Person in der Kirche unerwünscht sind- und das obwohl ich mir gerade diese als gute Theologinnen und Theologen und einfühlsame Seelsorgerinnen und Seelsorger vorstellen kann.

Zeitungsmeldungen wie die obige tragen sicher ein Stück dazu bei, dass homosexuelle Menschen in ihrem Platz in Kiche und Gesellschaft nicht nur wahrgenommen, sondern hoffentlich auch akzeptiert werden.
Schade nur, dass die tatsächliche Arbeit, die schwule und lesbische Geistliche leisten, meist nicht in den Blick kommt, weil sie eben auf ihre sexuelle Orientierung reduziert werden.
Einer der bekanntesten US-Amerikanischen Bischöfe der Episcopal Church ist Gene Robinson (der in dem FR-Artikel auch erwähnt wird).
Warum?
Weil er schwul ist. Weil er genau deshalb nicht zur Lambeth-Konferenz letztes Jahr eingeladen wurde. Weil er deshalb immer wieder weltweit in den Medien ist.
Leider erfährt man viel zu wenig über seine Arbeit als Bischof.

Schade eigentlich.
Gottes Segen für Dein Amt, Eva Brunne!

Friederike Weltzien wuchs als Kind deutscher Eltern einige Jahre in Beirut auf, ehe sie nach Deutschland zurückkehrte.

Jahre später kehrt sie mit ihrem Mann in den Libanon zurück, wo beide sich die Pfarrstelle an der deutschen Evangelischen Gemeinde teilen.

Die Autorin beschreibt nicht nur die Schönheiten des Landes, die Freundlichkeit der Menschen und den Duft des Thymians.
Sie beschreibt auch ihren Alltag als deutsche Pfarrerin in diesem ganz besonderen Kontext.
Geprägt ist ihr Alltag von Krieg und Zerstörung. Sie erlebt Krieg hautnah und muss mit ihrem 4jährigen Sohn im Jahr 2006 über Damaskus fliehen.
Und sie beschreibt ihre Hilflosigkeit angesichts eines Mädchens, das vor seiner Familie flieht, weil ihm eine Zwangsheirat droht und das schließlich doch einem „Ehrenmord“ zum Opfer fällt.

Ich hatte das Glück, der Autorin vor einigen Jahren im Libanon selbst zu begegnen und erlebte sie als starke und faszinierende Frau.

Ihr Buch spiegelt auf jeder Seite die Liebe zu Land und Leuten wieder. Ebenso die Wut und die Tränen angesichts des ständig präsenten Krieges.
Friederike Weltziens Buch ist im wörtlichen Sinn eine leiden- schaftliche Liebeserklärung an den Libanon und eine beständige Hoffnung auf Frieden, die die Leserinnen und Leser in die vielschichtige Welt des Libanon entführt.
Faszinierend und erschütternd zugleich.

Ich habe es in einem Zug gelesen.

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Friederike Weltzien
Warum musstest du sterben, Fidaa?
Zwischen Gottes Dienst und Ehrenmord
Herder-Verlag, Freiburg im Breisgau 2008
ISBN 978-3-451-29598-0
€ 19, 95

sagt die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland.

Mit Ilse Junkermann (bisher Personaldezernentin in der Evangelischen Landeskirche Württemberg) wird es in Deutschland neben Maria Jepsen und Margot Käßmann (beide Evangelisch Lutherisch) und Rosemarie Wenner von der Methodistischen Kirche eine weitere Frau im Bischofsamt geben.

Heute ist Weltfrauentag.

Manche mögen sich fragen, ob es überhaupt noch zeitgemäß ist, so einen Gedenktag zu haben.
Schließlich ist in Deutschland die Gleichberechtigung schon im Grundgesetz verankert und wählen dürfen Frauen schon seit 90 Jahren. Wir haben eine Bundeskanzlerin, Frauen übernehmen zunehmend Verantwortung in Politik, Kirche und Gesellschaft. Ja, viele Jungs fühlen sich mittlerweile von Mädchen überholt und benachteiligt.

Aber: Betrachtet man den prozentualen Anteil der Frauen in Führungspositionen fällt schnell auf, dass nur wenige die gläserne Decke überwinden konnten.
Auch in Deutschland bekommen Frauen oft noch immer weniger Geld für die gleiche Arbeit als Männer.
Sogenannte „Frauenberufe“ haben meist weniger Ansehen als „Männerberufe“ und finanziell sind sie auch schlechter bezahlt.

Auch in der Kirche werden Frauen noch immer nicht überall im ordinierten Amt anerkannt. Ich denke an die Diskussionen um Bischöfinnen in der Church of England. Oder daran, dass die ersten anglikanischen Bischöfinnen in Australien, Kay Goldsworthy und Barbara Darling, nicht vom Erzbischof von Sydney im Amt anerkannt werden. Beides geschehen im Jahr 2008.

Auch wenn in der Vergangenheit vieles nicht immer ganz glücklich gelaufen ist, bin ich dankbar, von den Errungenschaften der Frauenrechtlerinnen profitieren zu können. Ich bin dankbar, dass Frauen vor mir Kämpfe durchgestanden haben, die ich jetzt nicht mehr führen muss.

Ich bin dankbar, dass in meiner Landeskirche die Frauenordination vor 40 Jahren eingeführt wurde, dass ich tolle Frauen als „Mütter im Amt“ kennenlernen durfte. Dass für mich der Weg ins Pfarramt, gendertechnisch gesehen, nie ein Problem war. Und dennoch- auch in meiner Landeskirche sind Frauen in Führungspositionen (also ab Dekanin aufwärts) auffallend unterrepräsentiert.

Gleichzeitig empfinde ich es aber als Auftrag und Verantwortung, auf Missstände hinzuweisen, wo Frauen weit stärker benachteiligt werden als hier in Deutschland.
Nach wie vor ist weltweit gesehen die Analphabetismusrate unter Frauen höher als unter Männern. Nach wie vor haben Mädchen schlechtere Bildungschancen als Jungen.
Nach wie vor gibt es Gesellschaften, in denen Frauen massiv unterdrückt werden. So dürfen Frauen in Saudi Arabien noch immer nicht Auto fahren. Und in vielen Ländern freuen sich frisch gebackene Eltern über einen gesunden Jungen weit mehr als über ein gesundes Mädchen.
Und auch in vielen Konfessionen und Religionen gibt es nach wie vor Gruppierungen, die Frauen im geistlichen Amt, sei es als Pfarrerin, Rabbinerin, Imama oder was auch immer, nicht anerkennen. Einfach aufgrund der Tatsache, dass sie Frauen sind, unabhängig der Qualifikation und der Fähigkeiten, die sie mitbringen.

Aber: geht der Weltfrauentag nur Frauen an?
Ich meine nicht.

Ich will keine Männer, die vor Frauen kuschen. Da ist sicher in der Vergangenheit von sogenannten „Emanzen“ einiges schief gelaufen.
Ich möchte auch keine Männer, die die klischeehaften Frauenversteher sind.
Ich wünsche mir Männer und Frauen, die sensibel sind für gleiche Chancen für alle Menschen. Dass sie hinschauen. Ich wünsche mir, dass Männer und Frauen mutig sind, Missstände anzusprechen. Dass sie darauf hinweisen, wo Menschen ungleich behandelt werden. Ich wünsche mir Männer und Frauen, die sich dafür einsetzen, dass die Chancen derer, die bisher noch unterdrückt sind, verbessert werden, damit allen Menschen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht wird. Nicht nur bei uns, sondern überall auf der Welt.

Und nicht nur am Weltfrauentag.

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