Mit den „Psalmenübertragungen nicht nur für Kinder“, wie es der Untertitel sagt, hat das Team der Herausgeberinnen und Herausgeber ein Buch für die Praxis geschaffen.

109 Psalmen wurden in eine zeitgemäße Sprache übertragen, ohne jedoch den vertrauten Klang der Lutherübersetzung aufzugeben. Alle Psalmen haben Kehrverse, die es ermöglichen, den Psalm auch mit Kindern zu sprechen, da diese dann den einfach zu merkenden Kehrvers sprechen können. Desweiteren gibt es auch noch Psalmen aus unserer Zeit, sowie eine Anleitung zum Formulieren eigener Gebete.

Die Psalmen sind nach Nummern geordnet, jedoch steht bei jedem Psalm noch ein Vorschlag zur thematischen oder kirchenjahreszeitlichen Verwendung. Auch ein gutes Stichwortverzeichnis im Anhang macht den Gebrauch einfach.

Ich verwende diese Psalmenübertragungen oft in Familiengottesdiensten, doch sind sie, wie es der Titel sagt, nicht nur für Kinder.

Dir kann ich alles sagen, Gott
Verlag am Birnbach, 2007
ISBN 978-3-86508-510-8
191 S.
€ 13.80

Die Schulzeit prägt das Leben von uns allen. Wir erinnern uns an die erste Lehrerin (meine war schrecklich!), die Streiche, die Macken der Mitschülerinnen und Mitschüler und die Schrullen der Lehrerinnen und Lehrer.
Kein Wunder, dass die Einschulung einen wichtigen Übergang im Leben eines Kindes darstellt.
Da beginnt der Ernst des Lebens, sagt man. (Mir hat man das aber bisher in meinem Leben schon mindestens 10 Mal gesagt und ich habe den Ernst des Lebens wohl noch immer nicht ganz begriffen. ;-) )

In den letzten Jahren wurde die Einschulung damit auch immer mehr zum Passageritus und Familienfest.
Interessanterweise ist die Kirche gerappelt voll. Kinder, Eltern, Geschwister, Großeltern, Patinnen und Paten.

Heute ist es wieder soweit.
Auch „meine“ kleine Dorfkirche wird wieder so voll werden, wie sonst nur an Heilig Abend oder der Konfirmation. Ein Haufen quirliger Erstklässlerinnen und Erstklässler, sowie gerührte Eltern werden sich zum Einschulungsgottesdienst zusammenfinden.
Viele sind relativ kirchenfern, suchen aber doch nach Ritualen, um den so wichtigen Übergang zu begehen und zu deuten.

Das stellt mich als Pfarrerin vor gewisse Herausforderungen bezüglich des Gottesdienstes.
- Er muss kindgerecht sein. Die Erstklässlerinnen und Erstklässler sind die Hauptpersonen.
Sie sollen in ihrer besonderen Situation mit ihren Erwartungen, ihrer Freude aber auch ihren Ängsten angesprochen werden.
- Er muss elterngerecht sein. Die diffusen Erwartungen und Ängste der Eltern sollen ebenso zur Sprache kommen.
- Er darf nicht zu lang sein. Die Einschulung findet direkt im Anschluss statt und der Grad der Aufregung ist entsprechend hoch. Also keine langen Reden.
- Ich muss diesen Gottesdienst mehr oder weniger alleine gestalten. Ich habe kein Team, mit dem ich großartige Anspiele etc. vorbereiten und durchführen kann. Der Aufwand muss sich für mich also in Grenzen halten.

Um diese Herausforderungen möglichst gut zu meistern, hat sich in den letzten Jahren für mich folgendes bewährt:

Liedauswahl:
Meist wähle ich neue Lieder, die die Kinder und Eltern oft schon aus dem Kindergarten kennen. Bewegungslieder bieten sich an. Das lockert die Anspannung auf und für die Kinder heißt das ein wenig „Action“.
Trotzdem wähle ich meist auch ein traditionelles Lied aus, um die Vielfalt des kirchlichen Liedguts zu zeigen. Außerdem sind viele der modernen Lieder den kirchenfremden Familien eher unbekannt. Diese singen interessanterweise bei den traditionellen Liedern besser mit.

Gebete:
Meist wähle ich einen Psalm mit einem eingängigen Kehrvers aus. Modere Psalmenübertragungen bieten sich dabei an. Die Kinder können den Kehrvers gut mitsprechen und werden dabei in das Psalmgebet integriert.
Ansonsten wähle ich eine einfache Sprache mit kurzen Sätzen. Ich verzichte auf hochtrabende theologische Formulierungen (sollte man m.M.n. sowieso tun), sondern wähle gerne eine „vertraute“ Sprache. Z.B: die Anrede „Lieber Gott“.
Gerade bei Gebeten kann man weitere Personen (Eltern, LehrerInnen) gut mit beteiligen

Verkündigung:
Hier arbeite ich gerne mit Gegenständen oder Bildern.
In den letzten Jahren habe ich biblische Geschichten erzählt. So z.B: Abraham (Stichwort „Aufbruch“ , Gott geht mit). Dabei habe ich Folien zu den Bildern per Overheadprojektor gezeigt. Die Kinder hörten meist gespannt zu.
Auch hier gilt: Lieber kurz und knackig!

„Giveaway“:
Wenn es sich anbietet, gibt es einen kleinen Gegenstand zum mitnehmen, der die Kinder an den Einschulungsgottesdienst erinnert. So z.B. bei Abraham einen kleinen Stern zum an den Schulranzen hängen. Viele Kinder haben ihn immer noch am Schulranzen. *freu*

Segenshandlung
Interessanterweise ist gerade bei Passageriten der Wunsch nach einem persönlichen Segenszuspruch sehr groß. Wo es sich durchführen lässt (sprich wenn die Kinderzahlen nicht zu groß sind), bietet es sich durchaus an, den Kindern persönlich den Segen zuzusprechen. Evtl. kann dies auch durch mehrere Personen geschehen.

„Setting“
Auch das „Drumrum“ ist mir sehr wichtig. Es soll deutlich werden, dass der Einschulungsgottesdienst ein Gottesdienst ist. Daher brennen selbstverständlich die Kerzen auf dem Altar und die Orgel begleitet die Lieder. Auch wenn ich gerne andere Personen in die Durchführung mit einbeziehe (Eltern und LehrerInnen), trage ich selbstverständlich den Talar.
Und es wird natürlich heftig Werbung für die Kinderkirche und die Kindergruppen gemacht. ;-)

Kleiner Nachtrag:
Von 18 ABC-Schützen (und -schützinnen) waren 17 mit ihrer Familie in der Kirche. Diese war, wie erwartet gerappelt voll. Der Gottesdienst war bunt, lustig, ein wenig chaotisch (was zu erwarten war) und viele Eltern oder sonstige Angehörige gaben mit als Rückmeldung, dass es ihnen gefallen hat.
Aber jetzt ist es erst einmal vorbei- für dieses Jahr.

Vor kurzem kam im Kirchengemeinderat der Wunsch auf, das gemeinsame Singen im Gottesdienst zu stärken.
Wer mich kennt, weiß, dass damit bei mir offene Türen eingerannt werden.

Allerdings sagen viele meiner Gemeindeglieder, dass die „neuen“ Lieder im Gesangbuch reichlich unbekannt seien. Nun ist das „neue“ Gesangbuch ja schon vor 10 Jahren veröffentlich worden. Damit ist eigentlich genug Zeit gewesen, um die „neuen“ Lieder ausgiebig zu singen und damit einzuüben. Sie immer wieder mal im Gottesdienst einzubringen und damit gemeinsam zu lernen. Und es gibt wirklich schöne „neue“ Lieder (die sooo neu ja auch nicht mehr sind).

In beiden meiner Gemeinden ist das aber nicht der Fall. Oftmals wähle ich Lieder für den Gottesdienst aus, von denen ich zu 100% überzeugt bin, dass sie die Gemeinde kennen müsste. Und oft bin ich dann überrascht, wenn statt einem kräftigen Gemeindegesang hauptsächlich ratloses Schweigen mit Orgelbegleitung herrscht.

Wenn die „neuen“ Lieder schon nicht bekannt sind, dann ja wohl die „alten“. Dachte ich mir.
Und so wurde heute ein alter Hymnus, das „Komm, heiliger Geist“, als eines der Gemeindelieder ausgewählt.
(EG 126- Melodie hier

(Ich selbst verbinde mit diesem Hymnus eine wunderbare Erfahrung des Heiligen Geistes letztes Jahr in Neuseeland guckstu)

Aber auch dieser alte Hymnus war der Gemeinde nicht bekannt.
Von wegen inbrünstiger Bitte um den Heiligen Geist. Diese Melodie scheint schon wieder zu alt gewesen zu sein. Sie entstant immerhin um 1000 nach Christus.

Also, ist das Lied wieder „zu alt“. Aber auf jeden Fall unbekannt.

Aber, liebe Leute, damit macht Ihr mir die Liedauswahl echt schwer. Ich singe gerne „neue“ moderne Lieder, am liebsten aus der ganzen Welt. Ich schätze aber auch zunehmend den Schatz unserer Tradition. Die alten Hymnen, die seit Jahrtausenden in der Kirche gesungen und damit gebetet wurden.

Aber was die Liedauswahl zur „Stärkung des gemeinsamen Singens“ angeht, bin ich ratlos.
Ich wollt moderne Lieder, wollt neue Lieder, wollt viel und kräftig gemeinsam singen.

Die modernen sind zu modern. Die alten zu alt.
Ja- watt denn nu?

Ich werde Euch trotzdem oder gerade deshalb immer wieder die „unbekannten“ Lieder zumuten. Damit Ihr sie kennen lernt. Wie wärs denn, wenn Ihr die unbekannten Lieder dann daheim in der Woche nach dem Gottesdienst singt und somit übt?
Dann sind sie bald nicht mehr so unbekannt. ;-)

So langsam fällt die Anspannung der letzten Tage ab.

Denn heute war die erste der beiden Konfirmationen.
Ich lege immer besonderen Wert auf die Gestaltung. Festlich soll es natürlich sein- die Jugendlichen ansprechen, aber trotzdem nicht plump oder oberflächlich.
Und die erwachsenen Konfirmationsgäste möchte ich auch erreichen. Denn viele kommen in diesen Gottesdienst, die sonst selten oder nie in einen (evangelischen) Gottesdienst gehen. Wird es mir gelingen, auch diese Menschen anzusprechen? Ihnen nahezubringen, welchen Schritt die Jugendlichen heute tun?

Für mich ist dieser Gottesdienst außerdem ein ganz besonderer. Bildet es doch den Abschluss und Höhepunkt der Konfirmandenzeit, in der ich die Jugendlichen begleitet habe.
Ich habe miterlebt bzw. miterleben dürfen, wie junge Menschen in einer wichtigen Entwicklungsphase von Kindern zu jugen Erwachsenen heranwachsen.
Ich habe sie auf den ersten Schritten des Glaubens begleitet.
Habe ihnen erklärt und hoffentlich auch ein wenig vorgelebt, was es heißt, zu Glauben, Glied der weltweiten Kirche Jesu Christi zu sein.

Für die Konfirmandinnen und Konfirmanden war das ein einmaliges Erlebnis- die Konfirmandenzeit bleibt im Gedächtnis und prägt ein Leben lang.
Wohl bekomme ich mit jedem Konfirmandenjahrgang (bald fängt der fünfte an, den ich begleite- ich kann es selbst noch nicht glauben) mehr Routine.
Aber trotzdem ist eine Konfirmation für mich immer ein ganz besonderes Erlebnis.
Jede hat ein eigenes Thema, meist auch mit einem Symbol verbunden, das die Jugendlichen selbst gestalten und anhand dessen sie den Gottesdienst mitgestalten.

Die Jugendlichen haben während der Konfirmandenzeit wohl Teile des Katechismus gelernt und auch immer wieder im Gottesdienst vorgetragen. Zum Beispiel als sie einen Taufgottesdienst mitgestalteten, in dem zwei Kofnirmanden getauft wurden. Oder den Abendmahlsgottesdienst vor ein paar Wochen.
Im Festgottesdienst heute sollte sie jedoch eigene Statements zum Thema der Konfirmation sowie zu ihren eigenen Glauben vortragen.

Ich finde, da bleibt mehr hängen, als wenn ausschließlich der Katechismus vorgetragen wird. Sowohl bei den Konfirmandinnen und Konfirmanden als auch bei der Gottesdienstgemeinde.

Ich muss sagen- ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert, wie Jugendliche über ihren Glauben reden können, wenn man sie ein wenig anleitet.
Wie das wohl bei den eher kirchenfernen Erwachsenen ankommt, die heute dabei waren. Ich bin mir sicher, die Konfis haben da heute ein beeindruckendes Zeugnis gegeben.
Die Statements für den Gottesdienst werden im Konfirmandenunterricht erarbeitet, meist bekommen die Konfis einen Zettel mit Leitfragen, die ihnen helfen sollen, ihre Statements zu formulieren.

Und was da rauskommt ist wirklich gut. Ich konnte vieles tatsächlich im O-Ton der Jugendlichen übernehmen und musste nur wenig glätten, damit´s gut zusammenpasst.

Am Mittwoch war dann Hauptprobe. Die Konfis haben Ihre Statements vorgetragen. Ich musste noch viel coachen. „Nimm die Hände aus den Hosentaschen!“ „Nein, am Altar lehnt man sich nicht an.“ „Sprich langsamer!“ „So wie du das sagst, glaubt Dir das keiner.“
Ich gebe zu, bei so etwas bin ich super pingelig und achte auf viele Details. Vielleicht kommt da mein zweites Leben zum Vorschein, in dem es auch um Inszenierung und Bühnenpräsenz geht.

Wie auch immer: Was die Jugendlichen heute von sich gaben und vor allem wie sie es von sich gaben war spitzenmäßig. Gut betont, überzeugend, locker und das alles mit nur einem winzigen Versprecher.
Nicht nur ich war beeindruckt. So gut hat das noch keine Gruppe gemacht. Alle Achtung.

Auch bei der Predigt heute hatte ich das Gefühl, dass sie zuhören. Wirklich zuhören. Sie haben aufmerksam gelauscht. An den Minen der Konfirmandinnen und Konfirmanden konnte ich sehen, wie sie innerlich mitgingen.
Mal lachten sie, dann, wenn es nachdenklich wurde, runzelten sie die Stirn und so weiter.

Das Einsegnen ist immer ein ganz besonderer Moment. Den Jugendlichen den Segen Gottes persönlich und unter Handauflegung zuzusprechen. Zusprechen, dass Gott es gut mit ihnen meint und sie auf ihrem weiteren Lebensweg führt und leitet.

Jetzt werden die Jugendlichen ihren eigenen Glaubensweg gehen.
Manche werden weitergehen, in großen und mutigen Schritten. Andere werden langsamer vorankommen. Und wieder andere werden auf der Strecke bleiben.

Ich muss sie loslassen, sie ihr eigenes Tempo gehen lassen. Ich gebe zu, das fällt mir nicht ganz leicht.
Klar, werde ich manchen immer wieder begegnen. Sei es in der Gemeinde oder auf der Straße.
Doch die intensive Begleitung, die Entwicklung der Jugendlichen Woche für Woche mitzuerleben- das wird mir fehlen.
Ich muss loslassen- für die neue Gruppe, die nach den Pfingstferien beginnt.

Vor kurzem war ich bei einem Kollegen im Gottesdienst.
Es hat gut getan, nicht selbst den Gottesdienst „halten“ (im wörtlichen Sinn“) zu müssen, sondern einfach da sein zu dürfen, wie ich war. Und das war müde, abgespannt, mit dem Wunsch nach Zuspruch.

Soweit so gut.

Ich schätze ihn als Prediger und auch die Musik bei ihm im Gottesdienst ist immer sehr gut.
Bei der Abendmahlsliturgie sind mir allerdings so „Kleinigkeiten“ aufgefallen, die mich gestört haben.

Die Einsetzungworte hat er abgelesen, dabei die Nase immer ordentlich im Manuskript gehabt.
Auch waren die Elemente noch abgedeckt auf dem Altar und wurden, aus oben genanntem Grund, nicht gezeigt.
Ich möchte die Elemente sehen- Brot und Wein- wissen, was sie sind. Wer das ist.

Ich möchte keine lieblose Liturgie- auch wenn ich wusste, dass es meinem Kollegen aufgrund eines Zahnarztbesuches und nicht vertragener Betäubung an jenem Tag nicht gut ging.

Für mich ist das Abendmahl so wichtig- die Zuwendung der Liebe Gottes. Da möchte ich keine runtergelesenen Einsetzungsworte. Da möchte ich auch keine lahmen Lieder. Da ist mir eine feierliche, liturgische Präsenz wichtig. Die Liebe zum Detail. Die richtige und stimmige Inszenierung des Gottesdienstes.

Damit Kirche fröhlich wird. Denn wir haben allen Grund zum fröhlich sein.

Es gibt Dinge im Pfarrerinnendasein, die fallen einfach unter die Kategorie Super-GAU.

Heute morgen war so eine Situation.

Eigentlich fing es schon gestern an. Während meiner drei Ostergottesdienste merkte ich deutlich, wie mich meine Stimme immer mehr verließ. Beim dritten Gottesdienst sprach ich schon eine gefühlte Oktave tiefer- und das, obwohl ich mich während der Lieder immer mit Hustenbonbons gedopt habe.

Gestern Mittag hörte ich mich zwar ziemlich krächzend an, aber ich konnte natürlich den Schnabel nicht halten.

Heute früh war dann der Super-GAU.

Ich wachte auf und wollte der Schwalbenmutter, die gerade bei mir zu Besuch ist, einen guten Morgen wünschen.
Doch es kam nichts. Nichts. Nada. Nur heiße Luft.
Mir war klar, dass ich so auf keinen Fall den heutigen Ostermontagsgottesdienst in der Nachbargemeinde halten konnte.
Kein vermeintliches Wundermittelchen wie Inhalieren, viel trinken etc. hätte auch auf die Schnelle und so durchschlagend geholfen wie ich es gebraucht hätte.
(Ist Doping beim Predigen eigentlich erlaubt oder nicht??)
Mit der Stimme, die momentan sogar Joe Cocker in den Schatten stellt, wären die Leute eher schreiend weggelaufen, als dass sie sich hätten von der österlichen Freude anstecken lassen.
Und statt einem fröhlichen „Der Herr ist auferstanden“ hätte ich die Gemeinde höchstens mit einem „Fürchtet Euch nicht, ich bin es“ begrüßen können. Das wollte ich denen dann doch nicht zumuten.

Also rief ich meinen Kollegen an mit den Worten „ich habe ein Problem.“
Er: „Ich hörs“. Da wir einen Kanzeltausch vereinbart hatten, konnte er mich auch nicht ohne weiteres vertreten.
Allerdings habe ich einen tollen Ruhestandskollegen hier am Ort. Den störte ich also beim Frühstück, aber er hat sich sofort und ohne Zögern bereit erklärt meinen Gottesdienst zu übernehmen.
Ich druckte ihm meine Predigt aus (er hatte sie gestern schon gehört und kannte sie also) und brachte sie ihm vorbei.

Wie gut, dass es solche Retter in der Not gibt. Aber als Kanzelschwalbe nicht nur ohne Stimme zu sein, sondern damit auch den Schnabel halten zu müssen ist natürlich mehr als eine Strafe.
Eines weiß ich nämlich ganz sicher: Zum Schweigen bin ich nicht berufen.

Aber vielleicht freut sich ja meine Umwelt, dass ich mal zwangsweise den Schnabel halten muss.
Immerhin kann ich ja munter bloggen. :-)
Denn krank fühle ich mich nicht. Wirklich nicht. Nur zum Schweigen verdammt. Und das ist nun mal verdammt hart.

I was complaining about my resthome-services recently. The setting hasn´t changed yet. There is still a lot of noise coming from the kitchen. People still walk by and there is still no loudspeaker.

But nevertheless: the resthome-service today was great.
It was a communion service. I preached (no manuscript!!!) about the cross as the symbol of joy and hope. I brought three crosses I own. I told the congregation about each cross- where I got it from, what it means to me. A small cross which can be carried in a pocket as a reminder that God is always with you.
A cross that was crafted by an imprisioned artist as reminder that God loves us beyond our failiures in life.
And a cross from Equador which was painted by women expressing their hopes for life. Education, enough food etc. This cross is a symbol of hope and future.
It was great to walk up and down, showing the crosses to the people and preaching without manuscript. (I think I should do it more often.)

But the most touching moment was communion. I came, assisted by a nurse, to each person and asked them if they would like to have communion.
And when they received communion something happened in their face and probably also in their life. Even those people who stared most of the time at a point somewhere far away. It seemed to me as if they came back to presence- into the presence of the service and more important into the presence of God. They started smiling and one person even talked. The joy was visible on their faces.

Sharing bread and wine and proclaiming the love of God does touch people. Somewhere deep inside.
Especially those who are unable to communicate with words.

I have noticed this so often in rest-homes. It is a great privilege to be with people when they get touched by God´s love. And I´d love to witness this to those who may not understand what happenes.

And I was changed in the end, too.
I didn´t really want to go to the resthome today. Because of the setting which is as most „no-church“ as you could imagine. But it didn´t matter any longer. It was God´s love which was present and made a difference. Not only to the resthome-residents but also to me.

Heute war wieder Altenheimgottesdienst angesagt.

Ich merke seit einiger Zeit, dass ich üüüüberhaupt keine Lust mehr habe, dort hinzugehen.
Es sind ganz bestimmt nicht die Bewohnerinnen und Bewohner. Im Gegenteil, die sind es, die den Gottesdienst dort irgendwie überhaupt noch – ach wie soll ich sagen- lohnenswert machen.
(Dabei lohnt sich Gottesdienst ja eigentlich immer.)

Nein, mir wurde klar, es sind die Rahmenbedingungen.
Der Gottesdienst findet im Speisesaal statt, einem großen und hellen Raum, der eigentlich nahtlos vom Eingangsbereich abgeht. Dort finden auch sonst viele Aktivitäten statt und dieser Raum ist so etwas wie das Herzstück des Hauses.
Viele bleiben nach dem Frühstück einfach sitzen, trinken noch ihren Kaffee und reden, bis der Gottesdienst anfängt.

Nur für den Gottesdienst ist das Raumkonzept, wie man so schön sagt, völlig unbrauchbar.
Heute war immerhin wieder der Altar aufgebaut, mit einem Blumenstrauß und einem Kreuz.
Das war letztens z. B. nicht so. Statt die Bewohnerinnen und Bewohner einzeln zu begrüßen, musste ich letztes Mal erst schauen, dass ich zu meinem „Sach“ komme.

Immerhin bringe ich seit einiger Zeit eine CD mit Chorälen (Hat mich stolze 5 Euro gekostet, lohnt sich aber) mit, die die Bewohnerinnen auf den Gottesdienst einstimmen und auch akustisch mitteilen sollen: „Jetzt ist Kirche“. Denn das sonstige Musikprogramm aus der Konserve beschränkt sich meist auf „Wildecker Herzbuben“ etc. Ist ja ok, wenn es den Leuten gefällt, aber bitte nicht als Vorspiel für den Gottesdienst.

Während ich heute dann aber meine Begrüßungsrunde machte und die Gesangbücher (die sind ein eigenes Thema, vielleicht schreibe ich da ein anderes Mal was drüber) verteilte, herrschte im Speisesaal also ein munteres Treiben.
Frau X. suchte verzweifelt ihre Brille, Frau Z. war sauer, weil ihr Stammplatz besetzt war, Fr. S. blaffte Frau M. an, sie habe doch bitte nicht erst um halb zehn zun Frühstück zu erscheinen.
Und zwischendrin wollte/sollte ich eine gottesdienstliche Atmosphäre schaffen… *seufz*
Gerade als ich anfangen wollte, ratterte hinter mir eine Mitarbeiterin der Küche mit einem vollen Geschirrwagen vorbei. Und ich hatte natürlich kein Mikro.
Auch zwischendrin liefen immer wieder Menschen vorbei und durch. Das ist irgendwie sehr störend.

Ich bin wirklich froh, dass Frau H., eine Mitarbeiterin der Ergotherapie, sich so rührend um die Bewohnerinnen und Bewohner kümmert, und die „kleinen“ Dienste übernimmt, sonst wäre ein Gottesdienst gar nicht möglich.
Ohne Begleitperson, die einfach nach den Leuten schaut, gehts nämlich nicht. Alte, v.a. demente Manschen sind nun mal teilweise sehr unruhig, da kann ich als Pfarrerin, die den Gottesdienst zu halten hat, nicht auch noch schauen, dass niemand bei den „Erkundungstouren“ hinfällt etc.

Eigentlich bräuchten wir einen abgetrennten Raum, in dem die Menschen auch anders sitzen. Unser „Raum“ ist langgezogen, so dass ich mich fast 180° drehen muss, wenn ich alle anschauen will. Auch die Tische sind störend, da sie einerseits Distanz schaffen. Manchmal verbinden sie aber auch, weil sich eine Gruppe Bewohner bewusst um einen Tisch gruppiert. Und Fr. M, sitzt immer schön hinter mir. Sie will das so und darf das auch. Aber irgendwie doof ists schon.

Wie schön wäre es, wenn wir z. B. alle in einem Kreis sitzen könnten, mit dem Altar in der Mitte. Wenn wir einen ruhigen Raum hätten, mit dem CD-Player oder dem Klavier in erreichbarer Nähe, also so, dass ich nicht erst durch den ganzen Raum laufen muss.
Wie schön wäre es, wenn ich mich darauf verlassen könnte, dass IMMER ein Mitarbeiter/Eine Mitarbeiterin des Hauses dabei ist, so wie Frau H., die so engagiert den Gottesdienst unterstützt.
Wie schön wäre es, wenn der Raum wirklich einen bewussten Kontrast zum Alltag darstellen könnte. Ein Raum, der seinerseits Räume erschließt. Räume für das Heilige, zur Gottesbegegnung, zum Feiern. Ein Raum, der für sich selbst spricht und „Kirche“ vermittelt.

Bei der nächsten Besprechung des Seelsorgeteams mit dem Heimleiter werde ich das mal ansprechen.

Ich finde, auch und gerade alte Menschen haben ein Recht auf eine ungestörte Gottesdienstatmosphäre.
Und ich auch.

Eine der Fragen, die mich schon seit Jahren begleiten, ist die was denn eigentlich ein „guter“ Gottesdienst sei.

Für mich ist der Gottesdienst lebensnotwendig. Da kann ich zur Ruhe kommen, Gottes Wort hören, mich davon anrühren oder provozieren lassen. Kann mit anderen Menschen meinen Glauben leben und im Abendmahl Gottes Freundlichkeit schmecken.

Auch als Pfarrerin feiere ich ausgesprochen gerne Gottesdienste. Versuche verschiedene Elemente einzubeziehen, verschiedene Musikstile und unterschiedliche Formen auzuprobieren.

Herzstück für mich als Lutheranerin ist natürlich die Predigt. In ihr soll Gottes Wort verkündet werden. Und es muss klar werden, warum es sich lohnt, diese „alten“ und doch so aktuellen Geschichten der Bibel auch noch heute zu erzählen.

Was aber ist ein guter Gottesdienst?
Was sind die Qualitätskriterien dafür?
Woran lässt sich das messen?

An der Zahl derer, die kommen? Was ist dann mit Matth 18, 20 (wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen)?

Ist es die Musik, die „gut“ sein muss? Klar muss Musik gut sein- sie muss gut gespielt sein. Da können ganz verschiedene Musikstile aufeinanderstoßen. Eine schlecht gespielte Orgel ist genauso grausam wie eine schlechte Band. Und schöne Orgelmusik kann genauso begeistern wie eine gute Band.
Aber macht das die Qualität des Gottesdienstes aus?

Wohl wird die Predigt eine wichtige Rolle spielen?
Muss sie ansprechend „rübergebracht“ werden? Was heißt das? Geht es um rhetorische Brillianz, die die Zuhörenden in den Bann zieht. Auch wenn die Aussage heiße Luft ist?
Oder sind theologische Wahrheiten wichtig? Schließlich hat die Pfarrerin ja lange genug studiert. Ohne Barth oder Sölle ist eine Predigt dann nichts und niveaulos?

Oder sind das alles Äußerlichkeiten?
Geht es nicht darum, dass das Wort Gottes verkündigt und die Sakramente richtig verwaltet werden?
Auch wenn die Form völlig unattraktiv ist?

Was also ist ein guter Gottesdienst? Und wie kann er noch besser werden?
Write in!

So, jetzt ist also der Gottesdienst vorbei, von dem ich hier schon geschrieben habe.
Der Gottesdienst der Konfirmandinnen und Konfirmanden zum Thema Taufe, in dem auch zwei noch nicht getaufte Konfis getauft wurden.

Nach einer ausführlichen Sprechprobe am vergangenen Mittwoch waren heute alle pünktlich um halb zehn in der Kirche. Und obwohl der Posaunenchor sich schon eingespielt hat, haben wir noch einmal eine Sprechprobe gemacht. Alle haben gut und langsam gesprochen. Dafür, dass die meisten der Jugendlichen noch nie vor einer vollen Kirche standen, haben sie´s echt gut gemacht.

Nur die Taufen von zwei Konfis, die Bekanntgaben und den Segen habe ich gemacht. Alles andere haben die Konfis übernommen. Begrüßung, Liedauswahl, Gebete (ok, ich gebs zu, das Fürbittengebet habe ich formuliert, das Eingangsgebet stammte aber von einer Konfirmandin) und vor allem den inhaltlichen Teil.
Thema war „Wir haben Gottes Spuren festgestellt“. Die Konfis haben dann in verschiedenen Statements erzählt, wo sie Gottes Spuren in ihrem Leben gespürt haben und wo sie sich die Nähe Gottes gewünscht hätten.
Als Bibeltext stand die Geschichte des Kämmerers in Äthiopien im Mittelpunkt. Die Konfis bezogen sich in weiteren STatements dann auf die Geschichte, auf den Zusammenhang mit dem Thema Taufe und dem Thema „Gottes Spuren in meinem Leben.“
Im Nachhinein denke ich, dass es vielleicht schön gewesen wäre, die Gemeinde noch mehr mit einzubeziehen. Vielleicht indem jedeR selbst auf einen „Fußabdruck“ aus Papier für sich fest hält, wo er/sie schon Gottes Spuren spürte und dies dann quasi als „Erinnerung“ mit nach Hause nimmt.
Mal schauen, vielleicht beim nächsten Mal…

Auch viele Konfi-Eltern waren da und meinten, es sei echt gut gewesen.
Ich bin überzeugt, da bleibt viel mehr hängen, als wenn sie den Katechismus auf und ab lernen müssen.
Aber keine Angst, klar haben sie den Taufbefehl aufgesagt. Nach langem Kämpfen und manchmal auch Drohen („wer´s bis Sonntag nicht kann, muss es alleine aufsagen“) haben sie es gut hingekriegt.
Ich kann nur alle ermutigen, die Konfis mal einen Gottesdienst ganz alleine gestalten zu lassen.

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