Heute war wieder Altenheimgottesdienst angesagt.
Ich merke seit einiger Zeit, dass ich üüüüberhaupt keine Lust mehr habe, dort hinzugehen.
Es sind ganz bestimmt nicht die Bewohnerinnen und Bewohner. Im Gegenteil, die sind es, die den Gottesdienst dort irgendwie überhaupt noch – ach wie soll ich sagen- lohnenswert machen.
(Dabei lohnt sich Gottesdienst ja eigentlich immer.)
Nein, mir wurde klar, es sind die Rahmenbedingungen.
Der Gottesdienst findet im Speisesaal statt, einem großen und hellen Raum, der eigentlich nahtlos vom Eingangsbereich abgeht. Dort finden auch sonst viele Aktivitäten statt und dieser Raum ist so etwas wie das Herzstück des Hauses.
Viele bleiben nach dem Frühstück einfach sitzen, trinken noch ihren Kaffee und reden, bis der Gottesdienst anfängt.
Nur für den Gottesdienst ist das Raumkonzept, wie man so schön sagt, völlig unbrauchbar.
Heute war immerhin wieder der Altar aufgebaut, mit einem Blumenstrauß und einem Kreuz.
Das war letztens z. B. nicht so. Statt die Bewohnerinnen und Bewohner einzeln zu begrüßen, musste ich letztes Mal erst schauen, dass ich zu meinem „Sach“ komme.
Immerhin bringe ich seit einiger Zeit eine CD mit Chorälen (Hat mich stolze 5 Euro gekostet, lohnt sich aber) mit, die die Bewohnerinnen auf den Gottesdienst einstimmen und auch akustisch mitteilen sollen: „Jetzt ist Kirche“. Denn das sonstige Musikprogramm aus der Konserve beschränkt sich meist auf „Wildecker Herzbuben“ etc. Ist ja ok, wenn es den Leuten gefällt, aber bitte nicht als Vorspiel für den Gottesdienst.
Während ich heute dann aber meine Begrüßungsrunde machte und die Gesangbücher (die sind ein eigenes Thema, vielleicht schreibe ich da ein anderes Mal was drüber) verteilte, herrschte im Speisesaal also ein munteres Treiben.
Frau X. suchte verzweifelt ihre Brille, Frau Z. war sauer, weil ihr Stammplatz besetzt war, Fr. S. blaffte Frau M. an, sie habe doch bitte nicht erst um halb zehn zun Frühstück zu erscheinen.
Und zwischendrin wollte/sollte ich eine gottesdienstliche Atmosphäre schaffen… *seufz*
Gerade als ich anfangen wollte, ratterte hinter mir eine Mitarbeiterin der Küche mit einem vollen Geschirrwagen vorbei. Und ich hatte natürlich kein Mikro.
Auch zwischendrin liefen immer wieder Menschen vorbei und durch. Das ist irgendwie sehr störend.
Ich bin wirklich froh, dass Frau H., eine Mitarbeiterin der Ergotherapie, sich so rührend um die Bewohnerinnen und Bewohner kümmert, und die „kleinen“ Dienste übernimmt, sonst wäre ein Gottesdienst gar nicht möglich.
Ohne Begleitperson, die einfach nach den Leuten schaut, gehts nämlich nicht. Alte, v.a. demente Manschen sind nun mal teilweise sehr unruhig, da kann ich als Pfarrerin, die den Gottesdienst zu halten hat, nicht auch noch schauen, dass niemand bei den „Erkundungstouren“ hinfällt etc.
Eigentlich bräuchten wir einen abgetrennten Raum, in dem die Menschen auch anders sitzen. Unser „Raum“ ist langgezogen, so dass ich mich fast 180° drehen muss, wenn ich alle anschauen will. Auch die Tische sind störend, da sie einerseits Distanz schaffen. Manchmal verbinden sie aber auch, weil sich eine Gruppe Bewohner bewusst um einen Tisch gruppiert. Und Fr. M, sitzt immer schön hinter mir. Sie will das so und darf das auch. Aber irgendwie doof ists schon.
Wie schön wäre es, wenn wir z. B. alle in einem Kreis sitzen könnten, mit dem Altar in der Mitte. Wenn wir einen ruhigen Raum hätten, mit dem CD-Player oder dem Klavier in erreichbarer Nähe, also so, dass ich nicht erst durch den ganzen Raum laufen muss.
Wie schön wäre es, wenn ich mich darauf verlassen könnte, dass IMMER ein Mitarbeiter/Eine Mitarbeiterin des Hauses dabei ist, so wie Frau H., die so engagiert den Gottesdienst unterstützt.
Wie schön wäre es, wenn der Raum wirklich einen bewussten Kontrast zum Alltag darstellen könnte. Ein Raum, der seinerseits Räume erschließt. Räume für das Heilige, zur Gottesbegegnung, zum Feiern. Ein Raum, der für sich selbst spricht und „Kirche“ vermittelt.
Bei der nächsten Besprechung des Seelsorgeteams mit dem Heimleiter werde ich das mal ansprechen.
Ich finde, auch und gerade alte Menschen haben ein Recht auf eine ungestörte Gottesdienstatmosphäre.
Und ich auch.