Ich hatte heute eine interessante Diskussion über die Frage, ob Taufpatinnen und Taufpaten zwingend Kirchenmitglieder sein müssen.
Ja- müssen sie. So sagt es die Taufordnung meiner Landeskirche. Sie müssen Mitglied einer ACK-Kirche sein. Ohne Ausnahme. Für andere Kolleginnen und Kollegen lege ich nicht die Hand ins Feuer, aber bei mir gibts keine Ausnahme. Ein Kirchenaustritt hat nun auch seine Konsequenzen und Nachteile. Da bin ich streng.
Ich habe mich nämlich mit einer Tauffamilie in spe (genaugenommen, mit Kind- naja, die kann noch nicht reden, Mama und Oma) unterhalten. Bei der jetzt anstehenden Taufe des Kindes ergibt sich nämlich folgendes Problem: Beide potentielle Paten sind aus der Kirche ausgetreten.
Dany mischte sich dann in das Gespräch ein ( es fand auf dem Parkplatz vor dem Stall statt- aber das tut eigentlich nichts zur Sache). Sie meinte: „Na- dann sollen die halt in die Kirche eintreten, Pate/Patin werden und dann wieder austreten. So hab ich das gemacht bzw. werde bald wieder austreten.
Ich habe Dany dann ziemlich deutlich gesagt, dass ich so ein Verhalten weder gut finde, noch verstehen kann.
Und wir haben uns dann über Sinn und Unsinn des Patenamtes unterhalten.
Dany wollte damals unbedingt Patin werden, weil sie meint, das Kind könne niemand besseren als Patin bekommen.
Und auch die Patin in spe (ist gleichzeitig die Tante) meines Täuflings in spe, möchte auch unbedingt Patin werden.
Warum nur, frage ich mich?
Als Pate/Patin verspreche ich ja, das Kind im christlichen Glauben mitzuerziehn, dass es eines Tages selbst ja zu Taufe und zu seiner Kirchengehörigkeit sagen kann. Das geschieht ja normalerweise bei der Konfirmation oder Firmung.
Aber wenn ich aus der Kirche ausgetreten bin, kann ich ja schlecht aufrichtig versprechen, das Kind im christlichen Glauben zu erziehen.
Ich meine, wenn ich mich selbst nicht mit der Kirche und den Glaubensinhalten identifiziere, kann ich doch kaum ein ehrliches Interesse haben, das Kind dahingehend zu begleiten, dass es eines Tages ein mündiges Kirchenmitglied wird. Das ist doch irgendwie nicht ehrlich, oder?
Ich könnte das nicht.
Leider ist unser Gespräch dann ins Alltagsgeplänkel abgedriftet. Aber ich habe noch länger darüber nachgedacht.
Warum wollen Menschen, die mit Kirche und Glauben partout nichts am Hut haben und sich sogar bewusst durch einen Austritt distanziert haben, auf jeden Fall Patin oder Pate werden?
Was verstehen sie unterm Patenamt?
- dem Kind schöne Geschenke machen?
- mit dem Kind tolle Sachen unternehmen?
- für das Kind da sein, wenn es Probleme hat?
- evtl. für das Kind sorgen, wenn die Eltern es nicht (mehr) können?
Klar, das sind alles schöne und wichtige Sachen.
Gerade beim letzten Punkt denken Eltern aber oft fälschlicherweise, dass das Kind bei den Patinnen und Paten aufwächst, wenn ihnen etwas passieren sollte.
Das ist so aber leider nicht richtig. Aus dem Patenamt ergeben sich keine Sorgerechtsansprüche.
So etwas muss, wenn es wasserdicht sein soll, testamentarisch festgehalten werden.
Doch alles das, ist nicht das, was sich hinter dem Patenamt verbirgt.
Patin/Pate zu sein heißt:
- das Kind im christlichen Glauben zu erziehen.
- ihm Geschichten aus der (Kinder-)Bibel erzählen oder vorlesen.
- mit dem Kind zu beten
- für das Kind zu beten
- mit dem Kind in der (Kinder-; Familien-)Gottesdienst gehen.
- dem Kind vom eigenen Glauben (und der Ehrlichkeit halber auch von den eigenen Zweifeln) erzählen.
- usw.
Das heißt es Pate oder Patin zu sein.
Und wer das nicht kann oder möchte, sollte der Ehrlichkeit halber lieber aufs Patenamt verzichten.
Ist es nicht schön „einfach so“ Tante oder Onkel oder mütterliche Freundin/väterlicher Freund für ein Kind zu sein?
Ach ja- ich wäre gerne Taufpatin- aber da ist weit und breit kein Patenkind in Sicht