So langsam fällt die Anspannung der letzten Tage ab.
Denn heute war die erste der beiden Konfirmationen.
Ich lege immer besonderen Wert auf die Gestaltung. Festlich soll es natürlich sein- die Jugendlichen ansprechen, aber trotzdem nicht plump oder oberflächlich.
Und die erwachsenen Konfirmationsgäste möchte ich auch erreichen. Denn viele kommen in diesen Gottesdienst, die sonst selten oder nie in einen (evangelischen) Gottesdienst gehen. Wird es mir gelingen, auch diese Menschen anzusprechen? Ihnen nahezubringen, welchen Schritt die Jugendlichen heute tun?
Für mich ist dieser Gottesdienst außerdem ein ganz besonderer. Bildet es doch den Abschluss und Höhepunkt der Konfirmandenzeit, in der ich die Jugendlichen begleitet habe.
Ich habe miterlebt bzw. miterleben dürfen, wie junge Menschen in einer wichtigen Entwicklungsphase von Kindern zu jugen Erwachsenen heranwachsen.
Ich habe sie auf den ersten Schritten des Glaubens begleitet.
Habe ihnen erklärt und hoffentlich auch ein wenig vorgelebt, was es heißt, zu Glauben, Glied der weltweiten Kirche Jesu Christi zu sein.
Für die Konfirmandinnen und Konfirmanden war das ein einmaliges Erlebnis- die Konfirmandenzeit bleibt im Gedächtnis und prägt ein Leben lang.
Wohl bekomme ich mit jedem Konfirmandenjahrgang (bald fängt der fünfte an, den ich begleite- ich kann es selbst noch nicht glauben) mehr Routine.
Aber trotzdem ist eine Konfirmation für mich immer ein ganz besonderes Erlebnis.
Jede hat ein eigenes Thema, meist auch mit einem Symbol verbunden, das die Jugendlichen selbst gestalten und anhand dessen sie den Gottesdienst mitgestalten.
Die Jugendlichen haben während der Konfirmandenzeit wohl Teile des Katechismus gelernt und auch immer wieder im Gottesdienst vorgetragen. Zum Beispiel als sie einen Taufgottesdienst mitgestalteten, in dem zwei Kofnirmanden getauft wurden. Oder den Abendmahlsgottesdienst vor ein paar Wochen.
Im Festgottesdienst heute sollte sie jedoch eigene Statements zum Thema der Konfirmation sowie zu ihren eigenen Glauben vortragen.
Ich finde, da bleibt mehr hängen, als wenn ausschließlich der Katechismus vorgetragen wird. Sowohl bei den Konfirmandinnen und Konfirmanden als auch bei der Gottesdienstgemeinde.
Ich muss sagen- ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert, wie Jugendliche über ihren Glauben reden können, wenn man sie ein wenig anleitet.
Wie das wohl bei den eher kirchenfernen Erwachsenen ankommt, die heute dabei waren. Ich bin mir sicher, die Konfis haben da heute ein beeindruckendes Zeugnis gegeben.
Die Statements für den Gottesdienst werden im Konfirmandenunterricht erarbeitet, meist bekommen die Konfis einen Zettel mit Leitfragen, die ihnen helfen sollen, ihre Statements zu formulieren.
Und was da rauskommt ist wirklich gut. Ich konnte vieles tatsächlich im O-Ton der Jugendlichen übernehmen und musste nur wenig glätten, damit´s gut zusammenpasst.
Am Mittwoch war dann Hauptprobe. Die Konfis haben Ihre Statements vorgetragen. Ich musste noch viel coachen. „Nimm die Hände aus den Hosentaschen!“ „Nein, am Altar lehnt man sich nicht an.“ „Sprich langsamer!“ „So wie du das sagst, glaubt Dir das keiner.“
Ich gebe zu, bei so etwas bin ich super pingelig und achte auf viele Details. Vielleicht kommt da mein zweites Leben zum Vorschein, in dem es auch um Inszenierung und Bühnenpräsenz geht.
Wie auch immer: Was die Jugendlichen heute von sich gaben und vor allem wie sie es von sich gaben war spitzenmäßig. Gut betont, überzeugend, locker und das alles mit nur einem winzigen Versprecher.
Nicht nur ich war beeindruckt. So gut hat das noch keine Gruppe gemacht. Alle Achtung.
Auch bei der Predigt heute hatte ich das Gefühl, dass sie zuhören. Wirklich zuhören. Sie haben aufmerksam gelauscht. An den Minen der Konfirmandinnen und Konfirmanden konnte ich sehen, wie sie innerlich mitgingen.
Mal lachten sie, dann, wenn es nachdenklich wurde, runzelten sie die Stirn und so weiter.
Das Einsegnen ist immer ein ganz besonderer Moment. Den Jugendlichen den Segen Gottes persönlich und unter Handauflegung zuzusprechen. Zusprechen, dass Gott es gut mit ihnen meint und sie auf ihrem weiteren Lebensweg führt und leitet.
Jetzt werden die Jugendlichen ihren eigenen Glaubensweg gehen.
Manche werden weitergehen, in großen und mutigen Schritten. Andere werden langsamer vorankommen. Und wieder andere werden auf der Strecke bleiben.
Ich muss sie loslassen, sie ihr eigenes Tempo gehen lassen. Ich gebe zu, das fällt mir nicht ganz leicht.
Klar, werde ich manchen immer wieder begegnen. Sei es in der Gemeinde oder auf der Straße.
Doch die intensive Begleitung, die Entwicklung der Jugendlichen Woche für Woche mitzuerleben- das wird mir fehlen.
Ich muss loslassen- für die neue Gruppe, die nach den Pfingstferien beginnt.