Ich bin keine besonders gute Tänzerin. Das liegt weniger daran dass es mir nicht Spaß machen würde, nein sehr sogar, aber es gibt einfach viel zu wenige Gelegenheiten zum Tanzen. Ich rede vom Standardtanzen.
Wie viele habe ich mit 15 oder 16 einen Tanzkurs gemacht, sogar F-Kurs mit Bronzeabzeichen und erinnere mich heute noch mit Abscheu an die schwitzigen Hände meines „Herren“ damals. Brrr….
Egal, bisher haben meine Kenntnisse immer gereicht, um Spaß zu haben und überhaupt liegts beim Tanzen ja daran, ob der Herr gut führt, gell?
Und mit etwas Rhythmusgefühl hat mich der liebe Gott zum Glück auch ausgestattet.
Freund Tony macht aber hier in NZ zur Zeit einen Tanzkurs in „ballroom dancing“ und so war es irgendwie schnell klar, dass wir mal Tanzen gehen würden.
Gestern wars soweit.
Selbstverständlich habe ich keinerlei tanztaugliches Outfit und schon gar keine tanztauglichen Schuhe mitgenommen.
Mit einer schwarzen Hose, T-Shirt und Blazer, dachte ich, sei ich zumindest ok angezogen. Und meine sog. „Talarschuhe“ also die Treter, die ich sonst Sonntag morgens auf der Kanzel trage, weil sie 1. gut aussehen und 2. saubequem sind, mussten dann auch herhalten.
Weit gefehlt. Kaum dass wir in dem „Club“ wo alles stattfand angekommen waren bekam ich einen Schreck. Große Abendgarderobe war angesagt. Die Damen im Cocktailkleid oder in der Abendrobe …Egal, wir durften rein und dann gings los.
Das erste Stück, was gerade lief, war eine Rumba, also ganz gut zum Anfang. Tony und ich mussten uns irgendwie etwas aneinander gewöhnen und stiegen uns zunächst etwas auf den Zehen herum. Aber es hat recht schnell ganz gut geklappt.
Doch dann kam der Schock für mich.
Auf der Bühne des Saals, in dem das ganze stattfand, saß der „Tanzmeister“. Tony sagte, das sei der Tanzlehrer. Er legte auf. Und er hatte ein Gestell, ähnlich einer Staffelei. Dort legte er immer Schilder mit den kommenden Tänzen auf. Beim genauen Hinschaun musste ich feststellen, dass ich fast keinen der angezeigten Tänze kannte.
Bisher bin ich mit langsamen 3-er und 4er (Also langsamem Walzer und Rumba) sowie schnellem 3er und 4er (Wiener Walzer, Chacha und Foxtrott, evtl noch Discofox und Tango, wenn ein Herr richtig gut führt) eigentlich immer ganz gut zurechtgekommen.
Was dort angeschrieben war, entzog sich jedoch meiner Kenntnis. Ich stellte schnell fest, dass viele Schreittänze getanzt wurden. Zu jedem Lied gab es einen besonderen Tanz, den dann alle tanzten.
Also nix mit „Grundschritte aufs Parkett“ und je nach Kenntnis und Fähigkeiten selbst irgendwie mit Figuren ausbauen. Nein, alles war, bis auf die kleinste Handbewegung festgelegt.
Abgesehen davon was das allgemeine Tanzniveau des Abens irgendwo zwischen Gold- und Goldstar.
Tony und ich waren nicht nur mit Abstand das jüngste Paar, sondern auch die schlechtesten.
(Aber wir hatten rieeeesig Spaß und zum lästern gabs auch einiges….)
Mein Glück war, dass Tony die meisten Tänze auch nicht kannte. Nach einer Weile Rätselraten um die verschiedenen Tänze und Schritte haben wir dann beschlossen, dass wir einfach in „unserem Eck“ die verschiedenen Standardschritte tanzen würden. Sogar die eine oder andere Figur haben wir aufs Parkett gelegt. Und den einen oder anderen „Schreittanz“ wie den Gypsy Tap oder wie sie alle heißen, haben wir dann auch noch hinbekommen.
Wow, irgendwie dachte ich immer, dass Tanzen international sei- aber dass es solche kulturellen Unterschiede gibt, hat mich wirklich überrascht.
Am Schluss gabs noch einen Wiener Walzer und obwohl Tony den noch nicht kannte, haben wir uns ganz gut angestellt. Leider waren meine Schuhe nicht glatt genug zum Tanzen.
Egal: Wir hatten unseren Spaß und zumindest MICH kennt da ja auch keiner. Das macht es leichter, sich auch mal völlig zu blamieren.