Ich musste raus heute Nachmittag. Die ganze Woche bin ich irgendwie nur am rumhecheln gewesen, damit ich die morgige Trauung, sowie die Konfirmation für Übermorgen irgendwie fertig kriege. Die Trauung ist soweit druckfertig, für die Konfirmation fehlt nur noch die Predigt.
Also dachte ich, ich mache heute Nachmittag mal spontan zwei, drei Stündchen blau und geh Shoppen.
Lauter so Zeug, das man in der Pampa halt nicht bekommt.
Also bin ich ins große Einkaufszentrum 15 km entfernt gefahren.
Das einzig nette war, dass ich die Besitzerin meiner Reitbeteiligung getroffen habe, die mir gleich Bilder meiner früheren Reitbeteiligung mit dickem Fohlenbauch zeigte.
Zum Mittagessen gönnte ich mir bei den „Kollegen“ mit dem Fischlogo ein eher mäßiges Sushi.
Einmal und nie wieder. Lohnt nicht.
Dann zum Optiker, Kontaktlinsenmittel einer bestimmten Marke kaufen.
„Nein, die führen wir nicht“.
Ok, danke- vergebliche Mühe, aber ich habe ja noch anderes vor.
Dann schnell in das große Kaufhaus.
Nach fünf Jahren, in denen ich für fast alle Gottesdienste den gleichen, immerhin maßgefertigten Hosananzug, trage, wollte ich mich mal umschauen was es so gibt.
Nadelstreifen wären auch nicht schlecht.
Doch dann- Frust pur.
Im ganzen Geschäft sah ich weit und breit keine Hose in Langgröße.
Nach einer Weile vergeblichen Suchens fragte ich eine Verkäuferin nach Langgrößen.
„Oh, ja, wir haben Platz gebraucht, deshalb haben wir die weggehängt. Aber meine Kollegin da hinten hilft Ihnnen gerne weiter.“
Ich also zur Kollegin getrabt.
Und – voila- sie hatte genau eine Hose in Langgröße vorrätig. Schwarz.
Zwei Nummern zu groß für mich.
Ich sah von einem Einkauf ab und verließ das Geschäft.
Daraufhin steuerte ich ein Schuhgeschäft an. Für eine bevorstehende Hochzeit suche ich ein paar hübsche und bequeme Slingback-Pumps, die ich dann auch mal im Gottesdienst als Alternative zu meinen „Talarschuhen“ tragen kann.
Die Verkäuferin hatte genau ein Modell in meiner Größe vorrätig.
So ganz häßliche mit Netzmuster.
Ich schüttelte mich innerlich und verließ das Geschäft.
Dann ein Kaffee bei einer großen Kaffeehauskette- da weiß man wenigstens was man bekommt.
Vorausgesetzt, man kennt die Terminologie.
In NZ trinke ich bei der gleichen Kette immer ein „flat white“.
Angesichts der auch in Deutschland auf Englisch geschriebenen Getränkekarte, versuchte ich mein Glück und bestellte einen „flat white.“
Die Dame am Tresen sah mich fragend an.
„Was möchten Sie denn?“
Ich: „Naja, sowas wie einen Milchkaffee“.
Sie: „Ach, sie meinen den Caffe latte.“
„Ja, einen Caffe latte, klein,bitte.“
Sie: „also Tall.“
Ich: „Nein, halt die kleine Portion.“
Sie: „Das ist bei uns Tall“ (kleine Anmerkung: die weiteren Größen heißen dann irgendwie grande und magnum oder so….)
Ja, den meinte, bestellte und bekam ich dann schließlich auch.
Uff- wenigstens etwas erfolgreich erledigt.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich ernsthaft gefragt, ob in meiner Allgemeinbildung etwas schief gegangen ist.
Kann ich mich nicht verständlich ausdrücken? Beherrsche ich die deutsche Sprache so schlecht?
Oder habe ich schlichtweg einen Sprachfehler, der es mir unmöglich macht, mich zu verständigen?
Ich kam zu dem Entschluss, dass das Problem dieses Mal ausnahmsweise nicht bei mir liegt.
Oder doch? Schließlich hätte ich ja nicht so groß wachsen müssen. Schließlich könnte ich ja auch Kleidergrößen tragen, die gerade im Geshcäft vorrätig sind. Schließlich könnte ich mich ja bei der Kaffeekette im Voraus informieren, was ich möchte. (Dass Frauen auch immer so entscheidungsunfreudig sein müssen…!)
Ach ja- zum Schluss bin ich in einen Schuhladen einer „Billigkette“:
Eine freundliche Verkäuferin fragte mich, was ich denn suche, zeigte mir das (erstaunlich große) Angebot und beriet mich fachkundig.
Zu guter Letzt erstand ich immerhin ein paar schicke Schuhe, die bequem sind, gut aussehen und mich nicht die Welt kostete.
Ein echter Frustkauf.