Momentan ist ja Beerdigungssaison.
Und damit habe ich auch mal wieder das „Vergnügen“ reihenweise Predigten für Trauerfeiern zu schreiben.
Das hat allerdings durchaus seine Tücken.
Jeder Trauerfeier geht ja in der Regel ein Gespräch mit den Angehörigen voraus. Das soll neben dem seelsorgerlichen Aspekt dazu dienen, ein wenig (mehr) über den/die Verstorbene zu erfahren, mit den Angehörigen den Ablauf der Trauerfeier durchzusprechen und zu planen.
Wo möglich und gewünscht, können die Angehörigen auch in die Gestaltung der Trauerfeier eingebunden werden. Allerdings sollte das ganz behutsam geschehen, denn schließlich ist die emotionale Spannung bei so einem Anlass nicht zu unterschätzen.
In letzter Zeit habe ich gerade dabei die Erfahrung gemacht, dass manche Angehörige das Trauergespräch in der Hinsicht missverstehen, dass sie der Pfarrerin zu sagen hätten, was sie predigen soll.
Und dabei können die Vorstellungen doch meilenweit auseinanderklaffen.
Ich hatte schon seitenweise, minutiös aufgeschriebene Lebensläufe vorliegen, bei denen die Angehörigen erwarteten, dass diese wortwörtlich vorgelesen werden.
Mei- ich denke immer, dass die Angehörigen die Lebensläufe der Verstorbenen doch sowie so kennen.
Daher halte ich mich bei diesem Punkt in den Predigten eher zurück bzw. gehe nur auf signifikante Ereignisse ein.
Für mich hat die Bestattungspredigt die Aufgabe, das Leben der verstorbenen Person noch einmal vor Gott zu betrachten. Daher verbinde ich gerne auch den Predigttext mit der Person und wähle den Text entsprechend aus.
Das geht natürlich nur schwer, wenn Angehörige fest vorformulierte Erwartungen haben. Ganz schwierig sind auch Gedichte, die „unbedingt gelesen“ werden müssen. (Meist sind diese nämlich reichlich schlecht und schwer zu ertragen).
Da außerdem bekanntlich bei Beerdigungen so viel gelogen wird wie sonst nirgends, versuche ich mich mit dem was ich sage, ein wenig abzusichern. Daher flechte ich in meine Predigten so Sätze ein wie: „Sie haben mir erzählt, Frau X“ oder „für Sie, Herr Y war der die Verstorbene“.
Zum einen lockert das die Sache auf und macht es persönlicher, zum anderen signalisiert es, woher ich mein Wissen habe. Wenn mir Familie Z. nicht von dem 30jahre währenden Klinch erzählt, tu ich natürlich zwangsläufig so, als ob alles in Butter gewesen wäre.
Bisher bin ich mit dieser Art der Absicherung ganz gut gefahren.
Kürzlich hat jedoch die Witwe, eine sehr resolute Frau, die natürlich bis ins kleinste Detail schon alles für die Trauerfeier geplant und vorformuliert hat (selbst wo und wie sie vor und nach der Trauerfeier stehen werden), darauf bestanden, dass ich genau diesen Satz nicht sage.
„Sonst könnte man ja meinen, ich würde Ihnen vorschreiben, was Sie zu sagen hätten.“
Ich konnte nur mit Mühe einen Lachkrampf bzw. einen entsprechenden Kommentar unterdrücken.
Ja ne- is klar.