Momentan ist ja Beerdigungssaison.
Und damit habe ich auch mal wieder das „Vergnügen“ reihenweise Predigten für Trauerfeiern zu schreiben.

Das hat allerdings durchaus seine Tücken.
Jeder Trauerfeier geht ja in der Regel ein Gespräch mit den Angehörigen voraus. Das soll neben dem seelsorgerlichen Aspekt dazu dienen, ein wenig (mehr) über den/die Verstorbene zu erfahren, mit den Angehörigen den Ablauf der Trauerfeier durchzusprechen und zu planen.

Wo möglich und gewünscht, können die Angehörigen auch in die Gestaltung der Trauerfeier eingebunden werden. Allerdings sollte das ganz behutsam geschehen, denn schließlich ist die emotionale Spannung bei so einem Anlass nicht zu unterschätzen.

In letzter Zeit habe ich gerade dabei die Erfahrung gemacht, dass manche Angehörige das Trauergespräch in der Hinsicht missverstehen, dass sie der Pfarrerin zu sagen hätten, was sie predigen soll.
Und dabei können die Vorstellungen doch meilenweit auseinanderklaffen.

Ich hatte schon seitenweise, minutiös aufgeschriebene Lebensläufe vorliegen, bei denen die Angehörigen erwarteten, dass diese wortwörtlich vorgelesen werden.
Mei- ich denke immer, dass die Angehörigen die Lebensläufe der Verstorbenen doch sowie so kennen.
Daher halte ich mich bei diesem Punkt in den Predigten eher zurück bzw. gehe nur auf signifikante Ereignisse ein.

Für mich hat die Bestattungspredigt die Aufgabe, das Leben der verstorbenen Person noch einmal vor Gott zu betrachten. Daher verbinde ich gerne auch den Predigttext mit der Person und wähle den Text entsprechend aus.

Das geht natürlich nur schwer, wenn Angehörige fest vorformulierte Erwartungen haben. Ganz schwierig sind auch Gedichte, die „unbedingt gelesen“ werden müssen. (Meist sind diese nämlich reichlich schlecht und schwer zu ertragen).

Da außerdem bekanntlich bei Beerdigungen so viel gelogen wird wie sonst nirgends, versuche ich mich mit dem was ich sage, ein wenig abzusichern. Daher flechte ich in meine Predigten so Sätze ein wie: „Sie haben mir erzählt, Frau X“ oder „für Sie, Herr Y war der die Verstorbene“.
Zum einen lockert das die Sache auf und macht es persönlicher, zum anderen signalisiert es, woher ich mein Wissen habe. Wenn mir Familie Z. nicht von dem 30jahre währenden Klinch erzählt, tu ich natürlich zwangsläufig so, als ob alles in Butter gewesen wäre.

Bisher bin ich mit dieser Art der Absicherung ganz gut gefahren.
Kürzlich hat jedoch die Witwe, eine sehr resolute Frau, die natürlich bis ins kleinste Detail schon alles für die Trauerfeier geplant und vorformuliert hat (selbst wo und wie sie vor und nach der Trauerfeier stehen werden), darauf bestanden, dass ich genau diesen Satz nicht sage.
„Sonst könnte man ja meinen, ich würde Ihnen vorschreiben, was Sie zu sagen hätten.“

Ich konnte nur mit Mühe einen Lachkrampf bzw. einen entsprechenden Kommentar unterdrücken.
Ja ne- is klar.

Ich habe es eher am Rande mitbekommen. Robert Enkes Suizid. Und ich habe bis dato nicht einmal gewusst, wer der aktuelle Nationaltorhüter ist.
Doch ich gebe zu, auch ich bin erschrocken, dass ein junger Sportler, ein Familienvater und Freund, diesen Weg als letzten Ausweg gewählt hat.
Ich werde nicht in das allgemeine Spekulieren über das warum und „wie konnte es soweit kommen“ einstimmen.
Meine Gedanken gehen auch an seine Familie, Freunde und seine Mannschaft(en).
Ich denke auch an den Lokomotivführer. Und an den Lokomotivführer, den ich vor zwei Wochen als Notfallseelsorgerin in der gleichen Situation zu betreuen hatte. Und an das Opfer damals.

Ich bin überrascht, positiv überrascht, als ich in den Nachrichten sah, dass in Hannover eine kurzfristig angesetzte Trauerfeier in der Marktkirche von tausenden von Menschen besucht wurde.
Hier zeigt sich wieder, dass Menschen in ihrer Ratlosigkeit Halt und Orientierung bei Gott suchen, dass sie hoffen, dass die Kirche da hilft, Antworten zu finden.
Hierdie m.E. sehr gute Traueransprache von Bischöfin Käßmann zur Fußballhymne „you´ll never walk alone“

Eine der Fragen, die mich schon seit Jahren begleiten, ist die was denn eigentlich ein „guter“ Gottesdienst sei.

Für mich ist der Gottesdienst lebensnotwendig. Da kann ich zur Ruhe kommen, Gottes Wort hören, mich davon anrühren oder provozieren lassen. Kann mit anderen Menschen meinen Glauben leben und im Abendmahl Gottes Freundlichkeit schmecken.

Auch als Pfarrerin feiere ich ausgesprochen gerne Gottesdienste. Versuche verschiedene Elemente einzubeziehen, verschiedene Musikstile und unterschiedliche Formen auzuprobieren.

Herzstück für mich als Lutheranerin ist natürlich die Predigt. In ihr soll Gottes Wort verkündet werden. Und es muss klar werden, warum es sich lohnt, diese „alten“ und doch so aktuellen Geschichten der Bibel auch noch heute zu erzählen.

Was aber ist ein guter Gottesdienst?
Was sind die Qualitätskriterien dafür?
Woran lässt sich das messen?

An der Zahl derer, die kommen? Was ist dann mit Matth 18, 20 (wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen)?

Ist es die Musik, die „gut“ sein muss? Klar muss Musik gut sein- sie muss gut gespielt sein. Da können ganz verschiedene Musikstile aufeinanderstoßen. Eine schlecht gespielte Orgel ist genauso grausam wie eine schlechte Band. Und schöne Orgelmusik kann genauso begeistern wie eine gute Band.
Aber macht das die Qualität des Gottesdienstes aus?

Wohl wird die Predigt eine wichtige Rolle spielen?
Muss sie ansprechend „rübergebracht“ werden? Was heißt das? Geht es um rhetorische Brillianz, die die Zuhörenden in den Bann zieht. Auch wenn die Aussage heiße Luft ist?
Oder sind theologische Wahrheiten wichtig? Schließlich hat die Pfarrerin ja lange genug studiert. Ohne Barth oder Sölle ist eine Predigt dann nichts und niveaulos?

Oder sind das alles Äußerlichkeiten?
Geht es nicht darum, dass das Wort Gottes verkündigt und die Sakramente richtig verwaltet werden?
Auch wenn die Form völlig unattraktiv ist?

Was also ist ein guter Gottesdienst? Und wie kann er noch besser werden?
Write in!

Normalerweise sind für mich die Vorbereitungen der Predigten für den jeweiligen Sonntag Zeiten, in denen mich der Predigttext durch den Alltag begleitet. Mit dem Sonntag ist er jedoch meist „erledigt“.
Anders der Predigttext und das Gottesdienstthema des vergangenen Sonntages.
Ich wage es daher noch einmal, eine Predigt, eben jene vom verganenen Sonntag hier einzustellen.

Um sie ganz zu verstehen, muss man wissen, dass ich die Gemeinde nach dem Votum breit grinsend mit „Wir machen den Weg frei“ begrüßt habe (was auch einige Lacher hervorgerufen hat) und dass das das mehr oder weniger das Thema des Gottesdienstes war.

Wartezeiten, liebe Gemeinde, sind immer Zeiten der Ungeduld. Und Zeiten der Sehnsucht. Die alles bestimmende Frage lautet: Wann ist es endlich soweit? Wann kommt er oder sie? Wann ist der große Tag da?
Schon das kleinste Anzeichen des großen Ereignisses, auf das wir warten, hilft uns die quälende Zeit bis dahin zu überbrücken.
Kindern- kleineren und auch größeren- hilft in der Adventszeit der Adventskalender die Tage bis Weihnachten zu zählen und die Wartezeit zu überbrücken.
Aber auch in anderen Wartesituationen helfen uns schon kleine Vorboten oder Vorbotinnen des großen Ereignisses.
Bei der Deutschlandtour letzten Jahres, die ja auch durch Bad Liebenzell führte, kündigte der Werbetross das Kommen der Sportler an.
Am Bahnhof warten wir ungeduldig, ob der Zug, in dem die erwartete Person kommen soll, schon in Sicht ist.

In vergangenen Zeiten gab es in Europa an den Fürstenhöfen auch die Einrichtung eines Herolds. Er ging den Fürsten und Fürstinnen voraus und kündigte dem Volk das Kommen des Monarchen an. Meist selbst begleitet von einem Tross an Musikanten, Soldaten und sonstigen Gefolgsleuten.

Und wenn wir in der Geschichte noch weiter zurück gehen, entdecken wir, dass es auch in unserer jüdisch-christlichen Tradition die Funktion eines Herolds gibt.
Seit tausenden von Jahren wird nämlich in der jüdischen und christlichen Tradition geglaubt, dass der Messias auch einen Wegbereiter hat.
Oftmals wird dem Propheten Elia, der ja der Überlieferung nach nicht verstorben, sondern auf wunderbare Weise in den Himmel entrückt wurde, diese Rolle zugedacht. Noch heute kann man auf zahlreichen jüdischen Malereien den Propheten Elia als Wegbereiter des Messias bewundern.
Und in unserer christlichen Tradition kommt diese Rolle der Figur des Täufers Johannes zu. Denken Sie nur an das bekannte Bild des Isenheimer Altars, auf dem Johannes mit dem überdimensional langen Finger auf Christus verweist.
Und auch im Islam spielt Johannes der Täufer eine zentrale Rolle.
Ihm als Wegbereiter ist traditionell der dritte Adventssonntag gewidmet.
Im Vergleich zu anderen neutestamentlichen Gestalten erfahren wir sehr viel über ihn.
Er wird in allen vier Evangelien wie auch beim jüdisch-römischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus erwähnt.

Er stammte aus einer jüdischen Priesterfamilie und war ein Zeitgenosse Jesu, ein halbes Jahr älter als Jesus. Auch über seine Geburt berichtet der Evangelist Lukas ausführlich.
Er trat als Weisheitslehrer auf, predigte im Stil der alten Propheten und taufte. Johannes rief zur Umkehr auf und kündigte das unmittelbare Kommen Gottes oder des Messias zum endzeitlichen Gericht an. Schon bald hatte er einen Kreis von Anhängerinnen und Anhängern um sich gesammelt. Doch die Evangelien berichten immer wieder, dass er stets auf das Kommen des Messias verwies.
Trotz allem muss sein Auftreten und seine Wirkung auf die Menschen dem damals herrschenden König Herodes Antipas gefährlich vorgekommen sein. Denn Herodes Antipas lies Johannes verhaften und ins Gefängnis werfen.
Später wurde er dann hingerichtet.

Vor diesem Hintergrund muss der heutige Predigttext verstanden werden, der im 11. Kapitel des Matthäusevangeliums steht:

Und es begab sich, als Jesus diese Gebote an seine zwölf Jünger beendet hatte, dass er von dort weiterging, um in ihren Städten zu lehren und zu predigen.
2 Als aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger
3 und ließ ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?
4 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht:
5 Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt;
6 und selig ist, wer durch mich nicht zur Sünde verleitet wird.

Das ist ganz und gar kein leichter Text, der uns da für den dritten Advent zugemutet wird. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, liebe Gemeinde. Für mich ist vor allem die Frage des Johannes noch im Ohr. Sie steht über dem ganzen Predigttext und fordert heraus.
„Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?“
Es ist eine verstörende Frage, deren Sinn sich beim ersten Hören nicht nicht wirklich erschließt. Denn Johannes hat doch selbst Jesus getauft. Hat auf ihn hingewiesen und gesagt: „Es kommt einer nach mir, der ist stärker als ich; und ich bin nicht wert, dass ich mich vor ihm bücke und die Riemen seiner Schuhe löse. Ich taufe euch mit Wasser; aber er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.“ So berichtet es der Evangelist Markus und auch Matthäus und Lukas überliefern es ganz ähnlich.
Und dann diese Frage. Johannes scheint sich vergewissern zu wollen.
Ist derjenige, den ich getauft habe, den ich für den Messias gehalten habe, ist der es wirklich. Kann der die Welt erlösen? Und mich aus dem Gefängnis holen?
Lohnt es sich, noch zu hoffen. Lohnt es sich, auf diesen zu hoffen, lohnt es sich, überhaupt auf einen Messias, auf einen Erlöser zu hoffen?

Die Antwort gibt Jesus selbst. Doch er antwortet nicht mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“, sondern hält seine Antwort offen: „Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht:
5 Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt.“
Jesus stellt sich in die Tradition seiner Vorfahren und erinnert die Hörerinnen und Hörer, was von Alters her vom Messias erwartet wird. Er fasst die Messiashoffnungen zusammen. Ganz ähnliche wie die, die wir in der Schriftlesung vorher gehört haben.
Das Volk soll getröstet werden, die Knechtschaft Jerusalems, damit ist das babylonische Exil gemeint, soll ein Ende haben. Was krumm ist soll gerade werden.

Indem Jesus dies tut, hält er an den Verheißungen Gottes für Israel fest. Er hebt sie nicht auf, sondern bestätigt sie vielmehr.
Und er fordert seine Hörerinnen und Hörer auf, selbst genau hinzuschauen. Macht die Augen auf. Findet Ihr Eure Hoffnungen bestätigt, dann wird es wohl so sein.
Wenn nicht, wenn die alten Versprechen Gottes noch nicht in Erfüllung gegangen sind, dann müsst ihr noch weiter warten.

Somit gibt Jesus dem Täufer und vor allem seiner verstörenden Frage Recht. Es ist in Ordnung, nachzufragen ob es sich noch lohnt zu warten. Es ist völlig ok, immer wieder seine Zweifel auszusprechen, ob der Messias denn tatsächlich gekommen ist. Die Lage des Täufers war alles andere als erlöst, damals im Gefängnis. Und auch unsere Welt ist es noch nicht.
Auch für uns ist die Frage berechtigt, ob es sich noch zu hoffen lohnt.

Und manchmal müssen wir durch eine Frage aufgerüttelt werden, unseren Blick zu schärfen. So wie Jesus die Fragenden auffordert, hinzuschauen, ob die alten Verheißungen denn in Erfüllung gegangen sind.

Und dann ist da noch der merkwürdige Satz in der Antwort Jesu:
„selig ist, wer durch mich nicht zur Sünde verleitet wird.“

Jesus selbst weiß um den Anstoß, den sein Verhalten und seine Lehre seinen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen bietet.
Er kommt in keine heile Welt, er kommt nicht zu den Starken, Schönen und Reichen. Er kommt zu denen, die am Rand der Gesellschaft stehen, die übersehen werden, die Hilfe an Seele und Leib brauchen. Er predigt Freiheit in einem Land, das von einer Weltmacht besetzt ist.
Das ist anstößig und provoziert- gerade die Mächtigen.
Und dennoch: Jesus preist diejenigen selig, bei uns sagt man eher glücklich, die über sein Verhalten nicht den Glauben an den Gott Israels verlieren. Denn Sünde ist nichts anderes, als von Gott getrennt zu leben. Glücklich sind also diejenigen, die die Anstößigkeit Jesu, sein provozierendes Verhalten den Mächtigen gegenüber, das Leiden, das Mit-leiden Jesu mit den Menschen aushalten. Und die trotz einer noch ganz und gar unerlösten Welt auf den Gott der Väter und Mütter vertrauen. Auf den Gott Abrahams und Sarahs, Marias und Jesu, der das Kommen des Messias verheißt.
Jesus preist diejenigen glücklich, die im Hinschauen und Mit-leiden selbst zu Wegbereiterinnen, zu Verkündigern des Messias werden.

Trotz allem: ein Beigeschmack scheint aus diesem Predigttext zu bleiben.
Ein Wegbereiter, der selbst zweifelt. Ein Wegbereiter, der sich seines Amtes und seiner Aufgabe selbst nicht sicher ist. Das ist mehr als merkwürdig.
Für uns Menschen heute ist das jedoch entlastend und wahrscheinlich auch tröstend zu hören. Denn auch wir sind Wegbereiterinnen, Hinweisgeber auf Christus. Auch heute ist es noch unsere Aufgabe, auf Jesus hinzuweisen, der für uns Christenmenschen der Messias ist. In dem sich für uns die Versprechen Gottes erfüllt haben.
Gerade in unserer lutherischen Tradition spielt das Priestertum aller Getauften eine zentrale Rolle. Wir alle haben die Aufgabe, auf Jesus hinzuweisen, von ihm zu erzählen und das Reich Gottes in unserer Welt spürbar werden zu lassen. Jede und jeder von uns ist dazu berufen. Auch- und da geht es uns wahrscheinlich manchmal wie Johannes- wenn wir selbst unserer Sache nicht immer sicher sind. Wenn wir gar nicht immer wissen, ob wir tatsächlich an diesen Jesus aus Nazareth glauben können. Wenn die Fragen mal wieder größer und zahlreicher sind als die Antworten.
Wenn wir das Gefühl haben, nicht kompetent, nicht gebildet genug zu sein. Wenn wir denken, andere könnten das viel besser, wenn wir uns einreden viel zu beschäftigt mit unseren Alltagsdingen zu sein.
Dabei braucht es keine großen Worte und auch keine großen Taten. Es kostet nichts. Schon vermeintlich kleine Gesten reichen um klare Hinweise auf den zu geben, dessen Ankunft wir im Advent so sehnlich erwarten.
Ich denke da an die Schulkinder aus X und Y, die letzte Woche bei Älteren Menschen in unseren beiden Orten Weihnachtslieder gesungen haben.
Da ging es nicht um eine musikalisch perfekte Darbietung. Es ging darum, anderen eine Freude zu machen. Und das ist den Kindern gelungen. Ich weiß von Menschen aus unserer Gemeinde, die Tränen in den Augen hatten, weil ein paar Kinder in Begleitung von ein paar Erwachsenen für SIE gesungen haben. Das ist für mich Advent. Mehr als alle Weihnachtsmärkte und Nikolausfeiern, die uns suggerieren, dass ohne diese kein Weihnachten wäre. Das sind für mich kleine Wegbereiter und Hinweisgeberinnen auf den, dessen Ankunft wir erwarten.
Den Kindern hat es selbst Freude gemacht, dass sie anderen eine Freude machen konnten. Ich weiß, einige der Kinder waren sehr beeindruckt von der Reaktion der älteren Menschen und der Wertschätzung dessen, was die Kinder getan haben.
Und das alles in zwei Stunden an einem Samstag Nachmittag.

Oder das Erlebnis einer Bekannten in der vergangenen Woche.
Sie lebt in Bremen, ihre Eltern in Berlin. Als einzige Tochter musste sie einen Familiennotfall managen und vieles aus der Entfernung heraus erledigen und regeln. Sie wusste oft nicht, wie sie es schaffen würde. Und dann schrieb sie mir und anderen auf einmal folgendes:
„Ich danke Gott, dass er einen Engel geschickt hat – einen Engel ohne Flügel, aber in Polizeiuniform!
Stellt Euch vor, nach all den Vorfällen mit meinen Eltern hat er sich zur Aufgabe gemacht, öfter bei den beiden Alten reinzuschauen – er bietet sich jederzeit zum Gespräch an, wenn Vater kurz vor dem Ausflippen ist.
Ein ganz normaler Streifenbeamter vom dortigen Revier!!!!! Ich fasse es nicht!“

Der Polizist wurde für meine Bekannte und deren Eltern zum Engel. Vielleicht wusste er selbst nicht, was er diesen Menschen da gutes tat. Was er mit seinem Tun bewirkte. Dass er zu einem Boten Gottes wurde, zum Wegbereiter und Hinweisgeber auf Christus, der daran erinnert, dass die Versprechen Gottes, bei denen zu sein, die in Not sind, gelten. Auch heute noch.

Wir brauchen solche Wegbereiterinnen und Wegbereiter. In unserem Alltag, mitten in unserem Leben. Und jede und jeder kann es für andere sein.
Damit andere sehen, dass die Verheißungen Gottes in Erfüllung gehen. So wie vor 2000 Jahren.
Da ist es auch nicht schlimm, wenn wir uns unserer Sache nicht immer sicher sind, so wie es Johannes der Täufer auch nicht immer war. Der auch gefragt hat. Wer ist das eigentlich, auf den wir warten?
Und der Antwort bekam.
Das sind die Zeichen wenn der Messias kommt:
„Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt“.

Lassen Sie uns ans Werk gehen. Jede und jeder von uns. Wir alle können das. Als Wegbereiterinnen und Wegbereiter Gottes.
Denn auch das ist Advent. Und die Wartezeit wird für alle verkürzt.
Machen wir den Weg frei.
Amen

Tod oder Ewigkeit- diese Frage stellt sich am heutigen Sonntag.
Feiern wir den Totensonntag, wo doch in den Kirchen der im vergangenen Kirchenjahr verstorbenen Gemeindeglieder gedacht wird?
Oder feiern wir den Ewigkeitssonntag?
Selbst der liturgische Kalender im Gesangbuch schlägt für ein- und den selben Sonntag zwei verschiedene Predigttexte und liturgische Ausgestaltungen vor.
Also- wat denn nu?

Ich finde, wenn wir Christenmenschen vom Tod reden, spielt immer der Gedanke der Ewigkeit mit. Schließlich glauben und hoffen wir, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist, sondern dass ein neues Leben bei Gott beginnt.
Vielleicht sagt genau deshalb Christoph Blumhardt, wir Christenmenschen seien Protestleute gegen den Tod.
Und da kommt die Ewigkeit in den Blick.

Dieser Dualismus zwischen Tod und Ewigkeit hat mich auch in meiner Predigt heute beschäftigt.

Ich erlaube mir, heute einmal die Predigt dazu einzustellen. Einfach deshalb, weil sich darin viel meiner Gedanken zu diesem Tag wiederspiegeln, der eine so ganz eigentümliche Stimmung mit sich bringt.
Predigttext war 2. Petrus 3, 8-13.
Die dazugehörige Schriftlesung war Jesaja 65, 17-25

Liebe Gemeinde!

Der heutige Sonntag ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr. Ewigkeitssonntag nennen wir ihn -oder Totensonntag. Beide Namen sagen aus, worum es heute geht.
Um das Gedenken an liebe Menschen, die im vergangenen Kirchenjahr oder auch schon vorher gestorben sind.
Und beim Erinnern kommt neben der Trauer, die oft so schmerzt, unweigerlich auch die eigene Sterblichkeit in den Blick, die wir doch sonst lieber verdrängen. Es geht um das Wissen, dass unsere Lebenszeit begrenzt ist- dass jedes Leben, auch unseres einmal zu Ende gehen wird.
Was uns Christenmenschen dabei tröstet, ist Hoffnung. Die Hoffnung nämlich, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist, sondern dass es ein Leben bei Gott gibt.
Wie das aussieht, weiß niemand von uns. Und doch: Die Bibel spricht immer wieder davon. Es gibt ein Bild, das in der ganzen biblischen Tradition immer wieder für diese Hoffnung auf die zukünftige Welt steht. Es ist das Bild vom neuen Himmel und der neuen Erde. In der Schriftlesung haben wir davon gehört. Die Vision des Propheten, den wir Zweiter Jesaja nennen, die dann auch im Neuen Testament im Buch der Offenbarung unsere Bibel wie wir sie heute vorliegen haben, abschließt.
Hier kommt also die Ewigkeit in den Blick, das Leben in der Herrlichkeit Gottes, das kein Ende haben wird. Daher auch der Name Ewigkeitssonntag.
Und es wird damit gleichzeitig die Hoffnung ausgesprochen, dass der neue Himmel und die neue Erde doch bitte anbrechen sollen. Bald. Denn schließlich gibt es genügend Missstände auf der Welt, die besser heute als morgen ein Ende haben sollten.
Was bleibt ist jedoch die Frage nach dem Wann.
Wann wird das geschehen? Werden wir es noch erleben? Unsere Kinder?
Haben wir überhaupt Grund zu dieser Hoffnung?

Neu sind diese Fragen nicht- immer wieder gab und gibt es Menschen, die meinten das Ende der Welt berechnen zu können. Die meinen, sie würden Gottes Plan kennen.
Bisher waren alle diese Berechnungen falsch- nichts ist passiert.

Und doch- sie bleibt, die Frage nach dem Wann.
Und diese Frage bewegt nicht nur uns, sondern sie bewegte die Christen und Christinnen in der frühen Kirche viel mehr als uns heute. Die Menschen vor knapp 2000 Jahren haben fest damit gerechnet, dass das Anbrechen des neuen Himmels und der neuen Erde in allernächster Zukunft, noch zu ihren Lebzeiten geschehen würde.
Und ihr Weltbild hatte viel drastischere Vorstellungen von Gericht und Ende als wir moderne Menschen das heute haben.
Doch nachdem in der frühen Kirche, in der ersten Jahrzehnten, in denen Menschen begannen an Jesus als den Christus zu glauben, nichts passierte, da wurden die Apostel, die Gemeindeleiterinnen als Lügner und Betrüger, als falsche Propheten mit leeren Versprechungen angeklagt.
Wo bleibt den die Wiederkunft Christi, von der Ihr predigt? Oder sind das alles leere Versprechungen? Seid Ihr etwa auch so Wanderprediger, die den Menschen das Blaue vom Himmel herunter versprechen. Warum sollen wir Euch da glauben?

Unser Predigttext ist genau in eine solche Situation hinein geschrieben worden.
Der zweite Petrusbrief gilt als einer der spätesten Briefe im neuen Testament- ein unbekannter Schreiber schreibt im Namen und im Stil des Simon Petrus.
Und er muss sich mit den Anfeindungen, mit dem beharrlichen Nachfragen der Gemeinde, wann denn Christus wiederkommen wird, auseinandersetzen.

Hören Sie selbst, liebe Gemeinde, was er dazu schreibt.
Ich lese den Predigttext aus dem 2. Petrusbrief, Kapitel 3 ab Vers 8:

Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag.
9 Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.
10 Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden.
11 Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen,
12 die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden.
13 Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, bin denen Gerechtigkeit wohnt.

Der Briefschreiber, liebe Gemeinde, macht den fragenden Menschen eines ganz klar:
Gottes Zeitrechnung ist nicht die unsere. Bei Gott ticken die Uhren anders als bei uns Menschen. Bei Gott gelten andere Dimensionen. Zeit ist ein sehr menschlicher Begriff, die in Jahren, Tagen, Stunden und Minuten messbare Zeit der Menschen passt nicht zur Ewigkeit Gottes. Deshalb ist es müßig über einen bestimmten Zeitpunkt der Wiederkunft Christi zu spekulieren. Gott lässt sich nicht unter Druck setzen.

Und das Warten, das was wir als Verzögerung empfinden, ist bei Gott klarer Plan. Es gehört sogar zur Erlösung dazu. Denn schließlich können wir Menschen die Zeit nutzen- es ist ja schließlich unsere Lebenszeit. In unserem Predigttext heißt es „dass jedermann zur Buße finde“. Das heißt nichts anderes, als dass uns die Chance zu einem Neuanfang gegeben ist. Die Chance, alte Verhaltensmuster hinter uns zu lassen. Neu anzufangen, dem Leben nachzuspüren, beflügelt und befreit von der vergebenden und versöhnenden Gnade Gottes.

Aber, da ist sich der Briefschreiber ganz sicher, der Tag der Wiederkunft Christi wird kommen. Wie er sich das vorstellt, beschreibt er in anschaulichen Bildern, die jede und jeder seiner Zeitgenossinnen und Zeitgenossen verstand. Wie ein Dieb in der Nacht.
Unerwartet, leise, hählenge.
Und was dann passiert, das Weltende, das malt sich der Verfasser des 2. Petrusbriefes auch ganz deutlich aus. Er nutzt dabei das verbreitete, drastische Bild vom Weltende, wie es sich die Menschen der Antike vorgestellt haben. Dass die Erde bebt und der Himmel einstürzt. So stellten sich die Menschen sich damals vor. Asterixleserinnen und Asterixleser kennen die Angst der einstürzenden Himmel gut aus den Comics

Aber: Unser Predigtext fragt gar nicht nach dem Zeitpunkt des Welt-Endes. Er fragt nach etwas ganz anderem. Nach dem Beginn der Erlösung. Nicht nach dem Ende, sondern nach dem Anfang. Nach dem Anfang dessen, was der sogenannte Zweite Jesaja in seiner Vision beschrieb. Den neuen Himmel, die neue Erde. Den Ort des Friedens und der Freude.
Diese Vision hat die Menschen begleitet. Zu Zeiten der babylonischen Gefangenschaft, in der die Menschen auf die Rückkehr nach Israel und Jerusalem hofften.
Zu Zeiten Jesu, in denen die Menschen auf die Befreiung der römischen Besatzer hofften, zu Zeiten der frühen Kirche, in denen Christinnen und Christen oft angefeindet und verfolgt wurden und auf das baldige Kommen Jesu hofften.

Aber dass nicht nur die Menschen der Antike oder vergangener Zeiten auf den Beginn der Erlösung warteten, sondern auch wir, das wird in unserem Alltag deutlich.

Die Medien zeigen immer drastischer die Folgen der Klimakatastrophe auf und rufen zu schnellstem Handeln. Der weltweite Bakencrash und die damit verbundenen Folgen für die Weltwirtschaft, die auch früher oder später uns betreffen, zeigt die Brüchigkeit und Abhängigkeit des menschlichen Lebens auf. Die Gefahren der menschlichen Selbstüberschätzung werden mehr als deutlich sichtbar.

Was wir Menschen, damals wie heute, brauchen ist Heilung. Heilung an Leib und Seele. Dass unsere Tränen der Trauer und Enttäuschung getrocknet werden. Dass wir aus Phasen der Resignation und Einsamkeit wieder ins Leben zurückfinden.
Was wir brauchen, ist die Erfahrung der Gnade und Liebe Gottes, die uns die Umkehr, den Neubeginn ermöglicht.

Auch in den Umbruchsphasen unseres eigenen Lebens wissen wir nicht, wie viel Zeit wir brauchen. Wann so ein Umbruch geschieht. Wie viel Zeit jede und jeder braucht um mit der eigenen Lebensgeschichte versöhnt zu werden. Auch da warten wir oft ungeduldig auf Veränderung und nehmen oftmals nicht wahr, dass sie schon begonnen hat.

Was wir brauchen ist Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung. Das was in der Bibel als Reich Gottes beschrieben ist. Wohl gab und gibt es – Gott sei Dank- immer wieder Menschen auf der ganzen Welt, die sich unermüdlich und mit hohem persönlichen Engagement dafür einsetzen, dass ein Stück dieses Reiches Gottes schon jetzt sichtbar wird.
Doch wann es tatsächlich kommt wissen wir genauso wenig wie die Menschen vor 2000 Jahren.
Uns kann das Warten manchmal lang werden. Vielleicht sogar zu lange- besonders dann wenn wir leiden.
Aber wir dürfen uns von der Hoffnung auf Gottes Reich beflügeln lassen, wir dürfen jeden Tag neu hoffen und bitten
Maranatha- Herr, Jesus, komm!

Amen

Those among you who sometimes or even regularly preprare sermons might know the phenomenon.

As soon as Saturday comes (at least in my weekly schedule) the adrenaline-level in my blood goes up. Because the sermon for Sunday has to be prepared.

I read the suggested passage. Sometimes an idea about the sermon or a theme comes into my mind fairly quick.

In fact, then the whole sermon somehow grows in my head and just wants to be put on paper.

But most of the times I have no clue. Or maybe an idea but no real idea how to put all the thoughts that occur together to get a proper sermon.

I sometimes spend a whole day (or even more if I start early enough during week) wrenching my brain, doing all bits and peaces like cleaning, shopping, cooking but always with my sermon-to-write in my mind. Thinking it over and over.

As soon as early afternoon comes I usualy start writing. Trying to get some order in the sermon-jigsaw-puzzle in my mind and later on on my laptop.

Sooner or later I kind of give up. Being happy that there are at least some words (and sufficient words to fill at least 10 minutes which are the absolute minimum for a lutheran sermon) on the paper. But quite often I regard these words as mere stuttering than an elaborate sermon.

When Sunday morning comes I climb the pulpit- with my heart beating and my knees trembling-and preach the sermon.

And quite often something amazing happens.

I see how people´s faces clear up, some do even start smiling. Some nod their head every now and then - probably saying: „Yes, I totally agree“ or „Well- I wouldn´t say that.“

Anyway- there is a kind of interaction between them and me. 

And when the sermon and later on the service comes to an end quite a few people make a comment on the jigsaw-puzzle I presented to  them.

They say how the sermon made them think about various issues. Or how the sermon encourages, comforts or even challenges them.

This makes me humble- because I do not regard myself as a splendid preacher. Most of the time I think I have very little to say and defenitely not a theologically elaborate sermon as some might expect.

But my words do reach the hearts and minds of my congregants.

I really have no other explanation: This must be the holy spirit. There must be something that helps my words reach other people. That works as a link between them and me.

Come Holy Spirit!